Unsere japanischen Freunde mal wieder. Es ist ja nicht so, dass wir unsere letzten Beiträge zum Themenkreis “In Japan macht man komische Dinge” so schnell vergessen hätten (oder gar könnten), doch faszinieren mich die Meldungen über Otakus und die typische japanische Leichtigkeit im Umgang mit Virtualität halt immer wieder. Auch dem letzten Europäer wird wohl mittlerweile klar sein, dass Popmusik in Japan noch künstlicher ist als in unseren Breitengraden. Da werden “Bands” gecastet wie im Football, jedes Jahr gibt es neue Mitglieder und es bilden sich sogar Spin-Offs. Dass eine Vielzahl der Popsternchen dem typischen japanischen Muster für Kulleraugen und kindlichem Äußeren entsprechen ist wohl ebenfalls kaum erwähnenswert. Die Tatsache, dass manche dieser Megastars – denn mit etlichen Platin Schallplatten gehört man wohl in diese Kategorie – aber noch nicht mal wirklich in Fleisch und Blut existieren war für mich aber schon eine Neuigkeit. Über einen kurzen Eintrag bei Warren Ellis bin ich auf das Phänomen virtueller Stars in Japan gestoßen, welcher mich doch sehr fasziniert hat. Der Beitrag von Ellen Rogers schildert die Auswirkungen eines von ihr geschriebenen Artikels über die virtuelle Popsängerin Hatsune Miku. Diese reichten von Bombendrohungen gegen den Zeitschriftenverlag in dem der Artikel erschien, bis hin zu sehr unschönen persönlichen Drohungen gegen ihre Person – allesamt von aufgebrachten Fans der Figur Miku. Hatsune ist eigentlich keine richtige Figur, sie ist mehr eine Meme, ein Pool verschiedener Interessen gebündelt durch die Synthesizer Software “Voclaoid 2″. Nachdem mit Hilfe der Software jeder seinen Gesang durch die Stimme des Maskottchens der Software – Hatsune Miku – laufen lassen konnte, nahm die Popularität der Figur so sehr zu, dass man aus ihr eine “echte” Figur machte. Zwar kann jeder Japaner noch Hatsune an seinen Geschmack anpassen, doch ist es soweit, dass Miku auch schon echte Konzerte gibt und vor einem fanatischen Publikum auftritt. Gerade diese “Offenheit” der Figur macht sie wohl so beliebt und zur einer perfekten Schablone für die eigenen Wünsche und Träume. Mir ist zwar nicht ganz klar, wie man sich so sehr in eine virtuelle Figur reinsteigern und all seine Emotionen auf sie dauerhaft projizieren kann, wie es anscheinend in Japan ja passiert, doch ist es ein wirklich spannendes Thema mit dem ich mich sicherlich noch eine Weile beschäftigen werde. Auch im Westen gibt es sicherlich solche Tendenzen, allein wenn man sich die Gemengelage aus Fanfiction – Slashfiction gilt es hier besonders herauszuheben – oder Fanstories im Bereich Comics und Videogames ansieht. Dass wir Europäer deutlich länger brauchen um Trends wie diese aus Japan aufzunehmen, gibt uns zum Glück den Vorteil auch noch einen Ausblick in die Zukunft solcher Vorgehensweisen zu haben und zu sehen wohin diese Reise führen könnte. Dass diese virtuellen Sternchen auch bei uns sicher irgendwann ankommen ist für mich ziemlich klar, wenn man bedenkt wie die hiesige Musikindustrie mit ihren Künstlern und Kunden umgeht und dabei massiv vierliert. Also, auf in eine japanische Zukunft! Zur Lektüre nebenher empfehle ich dem Interessierten “Idoru” von William Gibson – eine westliche Sicht auf virtuelle Stars der Zukunft.

Konishiwa! Auf der 






















































