Die gamescom 2010 – Impressionen ohne Presseausweis

Nachdem nun Europas größte Spielemesse ihr Ende gefunden hat, werden nun fleißig Erfahrungen in Blogs, Magazinen & Co veröffentlicht – so auch hier.
Allerdings sind diese Ehrfahrungsberichte zumeist von Leuten geschrieben, die mit Presseausweisen oder Pressekarten bewaffnet auch hinter die Kulissen der gamescom schauen können und somit ein vollkommen anderes Besuchererlebnis mitbekommen. Hier nun meine Impressionen. Ein ganz normaler Besucher, ohne Presseausweis.

Will man nun zur gamescom, so lohnt es sich gut vorbereitet zu sein und früh aufzustehen, denn man will ja etwas vom Tag haben. Also bin ich um halb Sieben aufgestanden, habe meine Truppe geweckt und bin mit ihr erstmal bei *Fastfoodkette* frühstücken gegangen. Nach diesem äußerst gesunden und nahrhaften Mahl ging es nun in den Kölner Stadtbezirk Deutz zu den Messehallen der gamescom. Die Parkplatzsuche war schon ein Abenteuer für sich und der Parkplatz ähnelte eher dem Setting aus „Fallout“ und anderen diversen Games mit Weltuntergangs-Szenario.

Aber nun endlich rein in die Messehallen. Nach ewiger Wartezeit an der Bändchenausgabe und dem Überwinden des Staus vor dem eigentlichen Eingang ging es rein in Halle 8 und rein ins Vergnügen! Wummernde Bässe aus allen Richtungen, hell leuchtende Lichtspiele an den verschiedensten Ständen, gigantische Menschenmassen und überall aufreizende Messehostessen, die einen mit allerhand (teils mehr als uninteressanten) Prospekten zumüllen. Das sind die ersten bruchstückhaften Erfahrungen die einen erwarten.

Auf Europas größter Spielemesse tummelten sich eine unglaubliche Zahl von Besuchern jedweden Alters und jedweden Stereotyps und gerade das ist für mich eine der faszinierendsten Eigenschaften dieses Events. Wenn man sich die Besucher so ansieht, merkt man schnell, dass es den stereotypischen Nerd so nicht mehr gibt. Ich sah so viele verschiedene Typen von Nerds, dass mir gar nicht mehr bewusst war, dass ich auf der gamescom bin. Ich hätte sonst wo sein können, sei es in der Kölner Innenstadt oder einem mittelgroßem Provinznest.
Aber es sind selbstverständlich nicht nur die Messebesucher, die die gamescom zu dem machen, was sie ist.

Die Standaufseher, Aussteller und Beauftragten größerer Spielefirmen und ähnlichen Instituten sind die Repräsentanten der Messe. Besonders nette Zeitgenossen fand man beim Stand der USK und Microsofts Kinect. Die USK veranstaltete ein Gaming-Quiz, bei dem man ein T-Shirt mit einem USK-Logo, einen Kinect Priority Pass und bei voller Punktzahl sogar einen VIP-Pass gewinnen konnte. Nach dem Gewinn eines T-Shirts, welches sich perfekt für doppeldeutige Sprüche eignet, und sogar eines Priority Passes bin ich dann zum Kinect Stand gestiefelt und bin sofort von den freundlichen Microsoft Mitarbeitern weitergeleitet worden. Denn mit dem Priority Pass hatte das ewige Anstehen ein Ende. Direkt neben der Schlange zu den Testversionen zu Microsofts neuer Bewegungssteuerung befand sich ein extra Ausstellungsgerät und ein extra Mitarbeiter, der einem das Spiel auf Anfrage sofort und einfach erklärte.

Was soll ich sagen? Die USK-Mitarbeiter waren spitze, die Kinect-Leute waren kompetent, freundlich und hatten einen guten Humor bezüglich der Leute, die neben uns standen und noch eine Weile anstehen mussten. Und das Beste an der ganzen Sache war: Kinect funktioniert tatsächlich! Jede Bewegung wird super umgesetzt und man hat auch mal einen guten Grund seine Freunde für Punkte aus dem Weg zu schubsen, wenn man nicht so ganz auf Teamplay steht. Allerdings war es störend, dass der Bewegungssensor so weit unten angebracht war. Da ich fast zwei Meter groß bin hatte Kinect anfangs ein paar Schwierigkeiten mich komplett zu erfassen und auf den Fotos, die Kinect automatisch während des Spielens schießt, sah ich selten mein Gesicht jenseits des Unterkiefers.

Eine negative Sache auf der gamescom ist mir aber doch aufgefallen: Die Messebabes. Diese Damen dienen nur einen Zweck, nämlich bestimmte Produkte mittels des Grundsatzes “Sex Sells” zu vermarkten. Manche drücken einem, wie oben erwähnt, Prospekte und Werbung in die Hand und mit einigen der leichtbekleideten Damen lassen sich Fotos schießen. Dabei ziehen die Hostessen teils ein Gesicht, das zeigt, wie suspekt ihnen diese Veranstaltung ist. Fast so, als hätten sie nicht gewusst was sie erwartet. Ein Video von GameOne-Mitarbeiter Nils Bomhoff zeigt das ganz gut, denn die Aussagen der Damen tropfen nur so vor Ironie.

Versteht mich nicht falsch. Hostessen gehören auf Messen und sind schön anzusehen, aber dann doch bitte etwas mehr Freundlichkeit und wirkliche Begeisterung.

So viel zu meinen persönlichen Impressionen. Ich habe vieles ausgelassen, was jedoch in vielen anderen Berichten schon oftmals durchgekaut wurde. Ich hoffe, es hat Spaß gemacht meinen Bericht zu lesen, wir sehen uns nächstes Jahr wieder in Köln!

PS: Eine Sache wäre da noch: Als ich in den Priority Pass Only Bereich des Kinect Standes kam, fuhren mir zwei körperbehinderte Messebesucher entgegen, die gerade ohne anzustehen Kinect ausprobieren durften. Daumen hoch für solch ein Benehmen, Microsoft!

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