VersaEmerge – Fixed At Zero (Alben-Review)

Sie sind wieder da und das mit neuen Songs im Gepäck. Meine persönlichen Newcomer des Jahres 2009 VersaEmerge haben am 11.05.2010 nach fünf Jahren Bestehens und drei EPs ihr erstes Album “Fixed At Zero” veröffentlicht. Insagesamt 11 brandneue Songs warten auf diesem Album, um von den Fans der aus Port St. Lucie, Florida stammenden Band ins Herz geschlossen zu werden. Die letzten beiden EPs “Perceptions” (2008) und “VersaEmerge” (2009) haben schon einen Vorgeschmack geliefert, wie die Band mit Sängerin Sierra Kusterbeck an der Front klingen kann. Jetzt stellt sich die Frage, ob die Band ihren eingeschlagenen Weg mir selbigem Feuer unterm Hintern weitergeht. Alles dazu erfahrt ihr nach dem Klick!

VersaEmerge – Fixed At Zero

Anzahl der Tracks: 11 + 4 (bei der Deluxe Edition)

Gesamtlaufzeit der Standard Version: ca. 47 Min.

Für VersaEmerge war das Jahr 2009 trotz des Wechsels der Plattenfirma zu Fueled By Ramen und der dort veröffentlichten und zudem recht erfolgreichen EP “VersaEmerge” ein schwerer Schlag. Im September verabschiedete sich nach vier Jahren das Gründungsmitglied Anthony Martone (Schlagzeug) von der Band aus persönlichen Gründen. Dies sollte aber nicht die letzte Verabschiedung sein, denn zwei Monate später nahm auch Gitarrist Jerry Pierce seine Sachen. So wurde aus dem einstigen Quintett ein Trio, dass trotz dieser großen Umstellungen ins Studio ging, um zu zeigen, dass VersaEmerge nicht am Ende sind, sondern gerade erst richtig durchstarten. Dies versuchen nun Sängerin Sierra Kusterbeck, Gitarrist Blake Harnage und Bassist Devin Ingelido mit “Fixed At Zero” zu beweisen.

Was beim Durchhören des Albums direkt auffällt ist, dass die Band ihren seit 2008 selbst gesponnenen roten Faden weiterhin in der Hand hält und ihm folgt. Zwar nehmen sie diesen stelleweise mit auf einen kurzen Abstecher, um neues Terrain zu entdecken, aber trotzdem bleibt sich VersaEmerge treu. Wie schon auf ihren EPs rocken sie was das Zeug hält und schmücken experimentierfreudig ihre Songs mit immer mehr Schichten, um ihnen noch mehr Volumen zu geben. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sie ihren Hang zu Steicher- und Synthyparts weiter ausbauen und neben dem Klavier und Xylophon, auch endlich die von ihren spontanen Liveeinlagen bekannte Akustikgitarre in ihren Liedern nutzen. So bewegt sich das Trio zwischen schnelleren und langsamen Einlagen hin und her, ohne dass die Stücke an Fahrt und Wirkung verlieren.
Mit “Fixed At Zero” nimmt VersaEmerge den Hörer mit auf eine Reise in verschiedene Klangwelten. Mal düster und unheimlich bis die Sonne durch die Wolken scheint wie in “Figure It Out”, mal gesanglich sanft und vertrauensvoll während die Orgel des “Mind Reader” einen hypnotisch mit seiner Zirkusmelodie in seinen Bann zieht oder mal beklemmt in einem Studel aus dem es kein Entkommen gibt und man somit dauerhaft den Status “Fixed At Zero” inne hat.”Stranger” liefert den Kampf zwischen dem Guten und Bösen in einem Menschen und lässt diese Ichs auch musikalisch gegeneinander antreten bis das Ende für den Hörer offen bleibt. Bei “Redesign Me” lockt den Hörer eine Spieluhrmelodie, die mysteriös klingt, aber trotzdem die Neugier weckt ihr zu folgen und alles hinter sich zu lassen, was eventuell vorher wichtig war und sich letzten Endes als richtig herausstellen könnte. “Up There” baut auch ein Konstrukt aus düsteren und unheimlichen Klängen um sich, dass auf einen wartet und mit einer Harfe im Hintergrund, den Gedanken pflegt alles sei nur ein simpler Albtaum auch wenn vielleicht wahr oder sich nur im Kopf abspielt. Das Album ist vielmehr der Score eines Films als eine schnöde Platte einer Band. Jede Textzeile wird von der Musik passend und stimmungsvoll unterlegt und ergibt, sofern man sich drauf einlässt, erst nach mehrfachem Hören ein großes Ganzes und die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Dies bedeutet, aber nicht, dass man die Songs nicht genießen kann, wenn man nicht jeder Zeile mitlesen und jedes Detail im Hintergrund raushören möchte.
VersaEmerge schaffen es diesem Score das von den EPs bekannte Gefühl zu geben, um zu den Songs abzugehen, die Nackenmuskeln in Bewegung zu setzen, dabei mitzusingen oder einfach im Falle der ruhigen Songs zu träumen. Die wohl schnellsten Songs der Platte sind “Mind Reader” und “Fire (Aim Your Arrows High)”. Vor allem letzterer ist der absolute Kracher auf der CD. Besonders anzumerken ist hierbei, dass sich Kusterbeck und Harnage die Gesangparts teilen. Während er mit Gefühl die Strophen ins Mirko haucht, setzt Kusterbeck im Refrain mit allem was sie hat zum Schuss an. Die Dynamik des Duos macht definitiv Lust auf Mehr und so finden wir das Duo im genauso genialem “Your Own Love” wieder, wobei Harnage nur eine Strophe übernimmt. Diese sind auch für mich das Highlight des Songs, denn sie sitzen perfekt und haben was mitreißendes das ich nicht beschreiben kann. Zusammen mit “Fixed At Zero” und “Figure It Out” gehört dieser Titel zu den Songs mit denen selbst Fans der rockigeren EP “Percetions” leicht was anfangen können, auch wenn “Figure It Out” mit einem an Spaghetti Western erinnernden Gesang im Intro und der durchweg gespielten Akustikgitarre aus dem gewohnten Rahmen fällt. So ist es auch mit dem Großteil der Songs, denn obwohl sie die bekannte Handschrift von VersaEmerge aufweisen geben ihnen die vielen neuen Schichten von Instrumenten und Klängen einen leicht veränderten Touch. Dieser lässt aber nichts vermissen, sondern bereichert die Stücke ungemein.
Die Ballade “You’ll Never Know” zum Beispiel geht mit Akustikgitarre und Klavierbegleitung samt Xylophon und Flöten im Nacken recht gemächlich voran und fährt dann im Refrain, wo die Band gewohnt in die Saiten haut, Streicherparts auf, die sich weder hervorheben noch in der Mischung untergehen. Es ist fast so als würde jedes Instrument und der Gesang sich auf einer Ebene befinden ohne jemanden in den Hintergrund stellen zu wollen. Das Ende des Refrains markieren jeweils ausdrucksvolle Klavierakkorde, die mir direkt hängen geblieben sind und bei jedem Hörgang gefeiert werden. Im Finale gesellt sich das Klavier mit zu den Streichern und der Band ergibt einen klangvollen Abschluss.
“Up There” wir in der Strophe vom Klavier und einer Harfe dominiert bis die Band mit Streichern im Gepäck zum Refrain einsetzt und auch hier findet das Xylophon und die Akustikgitarre wieder ihre Verwendung.
Selbige Vielfalt an Instrumenten beinhaltet auch “Lost Tree”, der das komplette Album in sich vereint, mit Zeilen der anderen Songs einen wunderbaren Abschluss liefert und somit wieder am Punkt Null ankommt. Dieser Song hätte die erste reine Akustikballade der Band werden können, aber die Band kann nicht anders als irgendwann im Song wieder auf die Tube zu drücken. Das mag zwar schade sein, aber es ist nur der letzte Song des Albums. Mögen somit viele weitere folgen.

Fazit:
Anders als andere Band bleiben VersaEmerge nicht stehen, sondern gehen kontinuierlich ihren Weg weiter, um sich selbst und ihren Stil zu finden. Den haben sie an sich bereits schon gefunden, aber trotzdem halten sie überall Ausschau nach Elementen, damit ihre Songs noch mehr Tragweite gewinnen und den Hörer umso mehr begeistern. Mit “Fixed At Zero” äußern VersaEmerge klar, dass die Zeiten in denen sie mit Paramore und Co verglichen wurden allemal vorbei sind. Allein die klangliche Vielfalt in ihren Songs, die sehr an Film Scores erinnern lässt, und die Experimentierfreude solche Schritte zu gehen machen den großen Unterschied zwischen den Bands aus. Das Album nimmt den Hörer förmlich auf eine Reise mit durch Selbstzweifel; die Angst zu Versagen; den Glauben sein Ziel zu erreichen; die Veränderungen, die man im Leben durchschreitet mit sämtlichen Konsequenzen und vielem mehr bis man wieder am Start angelangt ist. Mir hat dieses Album sehr gefallen. Anfangs war ich zwar ein wenig skeptisch, weil es für den ersten Moment zu viel des orchestralen Anstrichs war, aber mittlerweile weiß ich diesen sehr zu schätzen und auch die vielen Details, die sich im musikalischem Gewand der Songs befinden. Nach jedem Hörgang entdeckt mehr von diesen Schichten, die den Songs mehr Bedeutung geben. Trotzdem weiß die Band zu überzeugen und liefert wie gewohnt eine Mischung aus rockigen und ruhigen Songs, die zeigen, dass die Band trotz schwerer Schläge als Trio stärker denn je und nicht bei null stehen geblieben ist. Sie legen überall nochmal eine Schüppe drauf, sei es das Songwriting oder die ohnehin schon gute Gesangsleistung von Sierra Kusterbeck. Ich für meinen Teil bin völlig zufrieden und gespannt, ob das Trio sich beim nächsten Album noch übertreffen kann.

Hörempfehlungen:
- Fire (Aim Your Arrows High)
- Your Own Love
- Fixed At Zero
- Mind Reader
- Figure It Out
- Stranger
- Redesign Me
- You’ll Never Know
- Mythology
- Up There
- Lost Tree

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