Wie der Eine oder Andere bereits in unserem Podcast mitbekommen hat bin ich seit 1993 Pur Fan und hab es mir natürlich nicht nehmen lassen das brandneue Album “Wünsche” zu reviewen. Das mittlerweile dreizehnte Studioalbum ist seit dem 04.09. im Handel und klettert, wie an sich alle Alben seit 1995, ohne Hindernisse auf Platz 1 der Albencharts. Ob das Album auch den Weg auf Platz 1 meiner Pur Charts ohne Hindernisse schafft erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.
Pur – Wünsche
Anzahl der Tracks: 16 + 1 (als registrierungspflichtiger Download)
Gesamtlaufzeit der Standard Version: ca. 65 Min.
Die Musik von Pur begleitet mich schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Damals Ende 1993 trat Pur bei einer Sportgala auf ARD/ZDF auf und spielte dort ein Medley aus Stücken des damals aktuellen Albums “Seiltänzertraum”, dass der Band den endgültigen Durchbruch brachte, bevor zwei Jahre später “Abenteuerland” für höheres bestimmt war. Ich war zu der Zeit frische 9 Jahre alt und sah diesen Auftritt und irgendwie machte es Klick und ich nahm den Auftritt auf einer VHS Kassette auf. Um es kurz noch zu verdeutlichen ich bin in keine Pur Familie hineingeboren worden oder hatte davor und naja auch danach keinen Pur Fan in meinem engeren Umfeld. Somit bin ich aus freien Stücken Fan geworden. Bei diesem Auftritt öffnete sich für meine jungen Jahre eine Tür, die mir bis Dato immer verschlossen blieb, nämlich die Begeistern und Faszination für Musik. Kaum war der Auftritt vorbei hieß es für das kommende Weihnachtsfest das Album “Seiltänzertraum” auf Platz 1 meiner Wunschliste zu setzen. Mein Wunsch ging auch in Erfüllung und das noch heute für mich beste Album aller Zeiten hielt Einzug in mein Zimmer und meine bescheidene “Anlage”. Danach war der Weg zum Musikfanatiker bereits angetreten, denn dann wurden CDs gehortet und auch explizit nach Künstlern und bestimmten Songs gesucht. Natürlich hängt dadurch schon viel Bedeutung für mich an der Musik und auch an der Band zu der ich Jahre später Kontakt per Fanbriefen hatte. Grüße an Joe an dieser Stelle.
Den Stoß zum wahren Fan Dasein setzte mir 1996 das Live-Album “Live – Die Zweite”, denn da fand ich meinen Weg zurück und setzte mich nach 3 Jahren “Seiltänzertraum” mit der kompletten Disko- und Videografie auseinander und danach war jedes Veröffentlichungsdatum in meinem Kalender zu finden.
Besonders die Mischung aus 90′s Rock und Pop gepaart mit genialen Melodien, tollen deutschen Texten und dem starken und markanten Gesang von Hartmut Engler hat es mir damals angetan und tut es auch noch heute, wenn ich die alten Scheiben laufen lasse. Darunter sind zig Songs, wo ich das Verlangen bekomme selber in die Saiten zu hauen. Auch der Sound war prall, lebendig und donnerte nur so durch die Boxen. Damals hatte man das Gefühl es geht viel vor in den Songs sowohl im Hinter- als auch im Vordergrund.
Mittlerweile renne ich den Herren nicht mehr so hinterher wie damals, aber die Band genießt noch heute großes Ansehen bei mir. Zwar wurde die Band über die Jahre poppiger und verließ immer mehr die Rockschiene, die sie mit “Seiltänzertraum” und “Abenteuerland” für sich perfektioniert haben, aber dennoch fielen die Alben immer positiv aus und beinhalteten Hits und Ohrwürmer, die man immer und immer wieder hören will. Somit hab ich mich bereits damit abgefunden, dass Pur jemals wieder den Weg auf die Rockschiene finden wird und freue mich seitdem auf weitere gute Pop-Rock Alben. Wobei der Sound im Laufe der Zeit steriler geworden ist und man eine Art Studiogefühl bekommt beim Hören der Songs. Das mag eventuell daran liegen, dass es aus der Mode gekommen ist Halleffekte in die Songs einzubauen, aber sowas nimmt den Songs einen gewissen Charme. Vergleicht einfach einen aktuellen Song mit einem der Alben “Seiltänzertraum” und “Abenteuerland”. Es klingt und wirkt anders, aber die guten Songs verlieren dadurch nicht ihre Wirkung als Ohrwurm.
Die Herren aus Bietigheim-Bissingen halten sich, nachdem sie Ende der 80er und Anfang der 90er fast jährlich ihre Alben unters Volk gebracht haben, nun an einen Veröffentlichungsrhythmus von 3 Jahren, was leider Geduld bedeutet, aber an sich immer ein gutes Album nach sich zieht. Die Zwischenzeit wird mit Live CDs oder DVDs gefüllt, was mich im letzteren Fall ein wenig stört, denn mich interessiert eher die Arbeit an einem Album sprich die Zeit im Studio, die so viele Bands bereits als Studio Doku umgesetzt haben. Dies würde auch mal Abwechslung in den Standard-Trott bringen, der aus einem Konzert mit fast allen Songs des aktuellen Albums und/oder einem Abschlusskonzert in der Schalke Arena samt Freunde besteht. Das zieht sich seit 2000 bzw. dem Album “Mittendrin” wie ein roter Faden durch die Disko- und Videografie.
Bis 2006 konnte ich mit jedem Album der Band leben, auch wenn mein Rockgeschmack nicht mehr so getroffen wurde, aber ich bin kein durch und durch Fanatiker von Rockmusik, deswegen liegen mir auch die ruhigen und popigen Einlagen sehr am Herzen. Leider war der Vorgänger “Es ist wie es ist” ein recht maues Album, dass ein paar Songs beinhaltete, die überzeugten, aber irgendwie konnte es mich nicht in seinen Bann ziehen und mich für den aktuellen musikalischen Status der Band begeistern. Deswegen ging ich mit großen Hoffnungen bzw. Wünschen dem neuen Album “Wünsche” entgegen.
Im Vorfeld konnte man auf der offiziellen Seite in die Songs reinhören und sich ein Bild vom neuen Werk machen. Das ließ meine Hoffnungen doch recht schnell verfliegen, denn ich konnte bis auf zwei Songs nichts für mich herausziehen und war doch recht erstaunt, dass ich wohl der Einzige war, der nichts mit dem neuen Material anfangen konnte. Dennoch wollte ich meine Sammlung komplettieren und griff ins Regal, um den neuen Silberling mit nach Hause zu nehmen. Danach folgten mehrere Stunden des Hörens im Loop und siehe da die CD wurde besser und besser. Man merkt schnell, dass “Wünsche” ein recht typisches Pur Album ist, das keinen Sprung nach vorne macht, aber zu meinem Glück positiver ausfällt als “Es ist wie es ist”. Leider werden auch hier die Fans des 90′s Rock, wie er auf “Seiltänzertraum” oder “Abenteuerland” zu finden ist, diesen hier nicht mehr vorfinden, wie sie es gerne hätten. Natürlich geht es auch teilweise rockig auf dem Album zu, was Songs wie “Gesund”, “Wünsche”, “Die Beste”, “Menschlichkeit” oder “Stell dich” deutlich zeigen, nur wirkt er kraftloser, vom Sound her schwächer und langsamer als es in den vergangenen Tagen war. Es ist halt mehr Pop als Rock, wobei die Solos von Rudi Buttas wieder peppiger und mit mehr Dampf um die Ecke kommen. Vor allem die Solos von “Wünsche” und “Gesund” erinnern an die besseren Rock Zeiten der Band. Leider wird letzteres durch den Gesang von Hartmut Engler ein Wenig gestört, denn es gibt halt Solos, wo man drüber singen kann, aber nicht bei diesem hier Herr Engler!
Wer sich damit abfinden kann wieder mehr in Richtung Pop auf dieser CD zu hören wird sicherlich einiges für sich entdecken. Da wäre die aktuelle Single “Irgendwo”, die mich anfangs wie die Hörproben nicht packen konnte, jedoch hat sich das nun geändert. Zwar geht es in dem Song eher gemütlicher zur Sache, aber es ist, wie so oft bei Pur, der Refrain, der einen in seinen Bann zieht und das ist der rote Faden auf diesem Album. Man hört den Song und spricht diesem keine besondere Wirkung zu, aber trotzdem verlassen die Zeilen den Kopf des Hörers nicht und so entwickelt sich das Ganze immer mehr zum Ohrwurm, was “Irgendwo” in meinen Augen auch ist. Das Highlight des Albums ist der Song “Die Beste” in dem Sänger Hartmut Engler sich Unterstützung durch die Luxuslärm Sängerin Janine Meyer holt. Eine sehr gute Wahl, denn zum Beispiel mit Christina Stürmer am Mikro fällt der Song total anders aus und das meine ich nicht positiv! Der Song gehört wie bereits erwähnt zu den rockigeren Songs des Albums und vor allem die beiden Stimmen harmonieren sehr gut miteinander, besonders in den Höhen, und bringen durch ihre Gesangsmelodien die deutsche Antwort auf John Miles’ “Music” zum Strahlen. Mit “Raus aus dem Schoss” liefern Pur wieder einen für die Band typischen Song, der den guten Songpool der letzten Jahre seit “Mittendrin” repräsentiert. Genauso positiv sind mir die Songs “Menschlichkeit” und “Kathrina” aufgefallen, die sehr schöne mehrstimmige Gesangsparts beinhalten und mich dadurch an Songs aus alten Tagen erinnern wie “Lied für all die Vergessenen”.
Wo ich gerade beim Erinnern bin da sind mir besonders zwei Songs aufgefallen, die stellenweise wie alte Songs aus dem Pur Katalog klingen. Da wäre der Song “Frau Schneider”, der mich in der Strophe an eine langsamere Version von “Mein Freund Rüdi” erinnert und der gerade genannte Song “Die Beste” zeigt im Refrainanfang Ähnlichkeiten zu “Herz für Kinder”. Vor allem da wechsel ich im Kopf die Songzeilen hin und her, aber ich möchte der Band hiermit keine Absicht oder ähnliches vorwerfen. Außerdem muss ich noch “Herzlich”, “Stell dich”, “Wiedersehen” und “Der geschenkte Tag” erwähnen, die mir auch positiv hängen geblieben sind. Der Rest kann mich leider nicht so ganz überzeugen, weil da das gewisse Etwas fehlt, aber dennoch ist der Ohrwurmanteil recht hoch bei diesem Album mit 11 von 16!
Fazit:
Auch wenn das Album meine rockige Seite meines puren Musikgeschmacks nicht trifft und es an Alben wie “Seiltänzertraum”, “Abenteuerland”, “Nichts Ohne Grund”, “Vorsicht Zerbrechlich” oder “Mittendrin” nicht herankommt ist es ein nettes Album im eher mittleren bis guten Bereich, dass mich wieder für den aktuellen Status der Band begeistern kann. Vergessen sind sie Tage von “Es ist wie es ist” und die Freude auf neues Material ist wieder da, aber die Jahre bis dahin werden einfacher über die Bühne gehen, denn nun gibt es 11 Songs, die das Warten versüßen. Ich kann das Album jedem Pur Fan empfehlen, um einen Eindruck zu bekommen wie Pur im Jahre 2009 klingen. Auch Pur Fans, die die Alben ab “Mittendrin” gut bis sehr gut finden werden hier auf ihre Kosten kommen. Fans der Alben vor “Mittendrin” sollten eher mal einen Blick im Handel riskieren und sich selber ein Urteil fällen. Wer deutschen Pop-Rock mag wird auch hier fündig, aber jeder, der bis heute nichts mit Pur anfangen konnte wird auch jetzt nicht heiß mit der Band. Bevor ich es vergesse Pur wo bleibt eigentlich die “Chronik einer Band, Teil 3″ und die unveröffentlichten Songs “Gerannt”, “Ich hau in die Tasten” und “Nicht mehr so allein”? Jungs es wird mal Zeit! Nach Jahren Dauerhören auf der VHS und DVD will ich die Songs mal ganz hören. Erfüllt mir bitte doch mal den Wunsch!
Hörempfehlungen:
- Die Beste
- Raus aus dem Schoß
- Irgendwo
- Wünsche
- Herzlich
- Stell Dich
- Gesund
- Wiedersehen
- Menschlichkeit
- Kathrina
- Der geschenkte Tag
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Pur – Irgendwo:
Pur – Abenteuerland:
Pur – Lied für all die Vergessenen:

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