Musikalisch durch die Welt – Heute: Norwegen

KaizersOrchestraAus dem verregneten Wales ist der lachende Vagabund im kalten Norwegen angekommen. Hei! Von Bergen aus erobert die Band Kaizers Orchestra die europäischen Bühnen mit ihrer Mixtur aus düsterem Rock, Folk, nördlicher Ompa-Melodaien und osteuropäischer Zigeunermusik, die zum Road Movie artigen Kopfkino Erlebnis einladen.

Wie kommt der Herr denn zu sowas? Die Antwort ist viel einfacher als man denken würde. Viva Plus ist schuld daran, dass ich diese Band für mich gewonnen habe. Paul und ich waren damals sehr überrascht als 2003 der Song “Evig pint” (Für immer gepeinigt) über den Schirm flimmerte. In diesem sah am die 6 Herren in schwarzen Anzügen einen Sarg durch eine Küstenlandschaft tragen. Das Ganze erinnerte sehr an “Reservoir Dogs” und auch die Musik tat einiges dazu um dieses Gefühl aufkommen zu lassen. Der restliche Weg zum begeisterten Hörer war nur noch ein Katzensprung den ich übers Internet hinter mich brachte. Danach reihten sich Alben nach Alben an und die Band war ohne viel Nachdenken auf meiner Liste meiner Lieblingsbands.

Kaizers Orchestra, die 2000 gegründet wurde aber deren Wurzeln bis ins Jahr 1991 zurückreichen, besteht aus Janove “The Jackal” Ottesen (Gesang), Geir “Hellraizer” Zahl (Gitarre), Terje “Killmaster” Winterstø Røthing (seit 2000 Gitarre), Helge “The Omen” Risa (Harmonium), Rune “Mink” Solheim (Schlagzeug) und Øyvind “Thunder” Storesund (seit 2003 Bass, Kontrabass). Die Band ging 2000 aus der gemeinsamen Band von Ottesen und Zahl Blod, Snått Og Juling (Blut, Rotz und Prügel) hevor. Deren Song “Bastard” mit der übersetzten Zeile “Ein gewisser Herr Kaizer nahm sich meiner an / er ist der stolze Besitzer der schwersten Siamesen der Welt” brachte auch direkt die Idee für den Namen der Band. Im Gründungsjahr starten die Herren direkt mit ihrer “Kaizers Orchestra EP” ins Musikgeschäft. Ein Jahr später folgt mit “Ompa til du dør” (Ompa bis du stirbst) das erste Album und der erste Großangriff des flotten Sechsers. Nach den zwei EPs “Død manns tango” und “Mann mot mann” rufen die Herren 2003 mit ihrem zweiten Album “Evig pint” zum zweiten Großangriff und dieser beschert ihnen einen Vertrag mit Universal Deutschland. Bis 2005 mit “Maestro” der dritte Großangriff erscheint erfreuen Kaizers Orchestra ihre Fans mit den EPs “The Gypsy Finale” (2004) und “Maestro EP” (2005). Erstere ist eine reine Live-EP. Live soll es auch 2006 weitergehen und so wird mit “Live at Vega” die erste Live Doppel CD und die erste DVD der Band veröffentlicht. Nach zwei Jahren Pause kehren die Norweger mit ihrem Großangriff Nr. 4 zurück, der den Namen “Maskineri” trägt. 2008 bringt aber noch mehr, denn auch das zweite Live-Album “250 prosent”, dass es exklusiv nur als Download bei iTunes oder als Vinyl zu bekommen ist, findet den Weg in die Hände bzw.auf die PCs der Fans. Noch im April diesen Jahres soll mit “Våre demoner” (Unsere Dämonen) zum fünften Mal zum Großangriff geblasen werden. Dieser soll aus einer Ansammlung von Songs bestehen, die zwischen 2000 und 2007 entstanden sind und nie aufgenommen wurden. Der Fan kann gespannt sein.

Das Besondere an dieser Band ist die Art von Musik, die sie zelebriert. Es ist nicht einfach was dahin geschrammeltes, sondern eher eine musikalische düstere Gangstergeschichte, die sich von Album zu Album weiterentwickelt. Das macht sich auch in den Texten deutlich. Diese handeln über die Mafia, Krieg und mentale Krankheiten und erzählen teilweise über mehrere Songs Geschichten von bestimmten Charakteren im Kaizer Universum. Die bereits genannte Mischung aus düsterem Rock, Folk, nördlicher Humpa-Melodaien und osteuropäischer Zigeunermusik mit Ölfässern, Mülltonnen, Autofelgen, Orgeln, Arkordeons, Harmonium, Gitarren, Kontrabass, Schlagzeug und und und machen die Musik des Flotten Sechsers aus. Die vielen düsteren Parts, die sich wie ein schweres Stampfen durch die Songs schreiten geben den Songs immer den Touch als wäre den Tod selber hinter einem her, um ihn zu holen. Genau diese bringen in uns das Kopfkino Erlebnis hervor. Außerdem gibt Janove “The Jackal” Ottesen mit seiner Stimme den Liedern einen gewissen Charakter, der dem Düsteren wieder was schönes gibt und somit die Musik zugänglicher macht für den Hörer. Obwohl er bis auf eine Ausnahme nie die norwegische Sprachlandschaft verlässt können die Lieder zum Großteil überzeugen und das Mitsingen wird trotz der nicht vorhandenen Norwegischkenntnisse früher oder später einsetzen und für richtigen Spaß sorgen und fällt mir persönlich nicht besonders schwer. Es geht aber auch nicht nur düster zur Sache, denn dafür gibt es auf den Alben auch viele Nummern, die zum Tanzen, Rumwackeln und Austicken einladen. Das liegt an den Ompa (Humpa) Elementen samt Harmonium, die zeitweise das Licht ins Dunkel lassen und das Tempo zudem anheben. Somit folgt die Fröhlichkeit auf dem Fuße und zeigt die zweite Seite der Norweger.

Seit 2003 bin ich Fan dieser Band und freue mich immer auf die anstehenden Veröffentlichungen mit denen die Band meinen mentalen Road Movie fortsetzen. Die Mischung aus der Vielzahl von Einflüssen und die dabei enstehenden Klangbilder sind der Reiz für mich, der mich all die Jahre bei der Stange hält. Wer Gangsterfilme mag in denen Männer in Anzügen sich gegenseitig das Leben nehmen und keine Berührungsängste mit dem Norwegischen hat sollte sicherlich mal reinhören. Es wird sich lohnen.

Der lachende Vagabund macht mit seiner Skandinavien Tour weiter und macht nächsten Monat einen ganz kurzen Halt in Schweden. Adjø!

Hörempfehlungen:
- De Involverte
- Evig Pint
- Dekk Bord
- Den andre er meg
- Maestro
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- Apokalyps meg
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