In Legend – Pandemonium (EP-Review)

Seit Ende März sorgt eine bis dato einzigartige Band für Aufsehen und immer größer werdene Beliebheit. Der Name dieser Band lautet In Legend und besteht aus dem Vortex Generating Super Operator Bastian Emig (Van Canto, Ex-Jester’s Funeral & Ex-The Razorblades) am Piano, dem Bass Cyclone Daniel Wicke (The Razorblades & Ex-Jester’s Funeral) und dem Drumming Tornado Dennis Otto (Colours Of Gospel & Jovian Spin). Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht die Vielfalt der Metalmusik mit einem neuen Genre auszubauen. Während die Band Van Canto mit ihrem A Cappella Metal nur auf Emigs Können am Schlagzeug und ihre Stimmen bauen und damit die fehlenden Gitarren imitieren, verzichten In Legend jediglich auf die verzerrten Gitarren und ersetzen diese durch Emigs Talent am Piano. Das Ganze nennt sich Piano Metal und wurde zum ersten Mal auf der “Pandemonium” EP festgehalten. Wer In Legend Ende März bis Anfang April als Vorband von Van Canto erlebt hat wird von dieser EP sicherlich gehört haben und diese im besten Fall sogar besitzen. Für alle, die von diesem Geheimtipp namens In Legend noch nichts wussten, steht diese EP seit Mai als legaler und kostenloser Download bereit und ich schaue sie mir nach dem Klick mal genauer an.

In Legend – Pandemonium

Anzahl der Tracks: 4

Gesamtlaufzeit der Standard Version: ca. 19 Min.

Es ist schon komisch von Metal zu sprechen, wenn man die für diese Gangart typischen verzerrten Gitarren nicht hören kann. Man könnte zwar meinen, dass dadurch der Musik von In Legend die charakteristische Essenz fehlt, um sie in der Metalsparte einzuordnen, aber dem ist nicht so. Von der ersten Sekunde an hämmert sich In Legends Mischung aus Klavier, Bass und Schlagzeug in den Gehörgang und auch in den Nacken. Die aufkommende Energie, die das Trio in ihren Songs und auf der Bühne versprüht, steht in keinster Weise der einer typischen Metalband nach. Dafür sind Bastian Emigs Werke zu sehr vom Metal beeinflusst. Sein Talent fürs Songwriting stellte er schon einige Jahre zuvor als Drummer in seiner alten Band Jester’s Funeral unter Beweis, die noch heute einen festen Platz in meiner Metallandschaft haben und zu den wenigen Bands gehören mit denen ich in meiner alten Band Chainheart die Bühne teilen durfte. Bei Jester’s Funeral saßen die Songs zum Großteil wie die Faust aufs Auge und sind noch heute eine mitreißende Welle aus Ohrwürmer, die einen erobern und nicht mehr loslassen wollen. Diesen strahlenden Funken legte Emig aber bei der Beerdigung des Hofnarrens nicht mit ins Grab, sondern teilte ihn mit seinem Bandkollegen Stefan Schmidt, um ihn in ihre eigenen Projekte Van Canto und In Legend zu neuem Glanz zu verhelfen. Die Auswirkungen kann man bereits sehen, da Van Canto ihren Platz in der Metalbranche fest erobert haben und In Legend auf dem Weg sind selbiges mit ihrem Piano Metal zu erreichen.
So genug von den alten Tagen und nun zurück ins Hier und Jetzt und zur “Pandemonium” EP. Die Einleitung macht der gleichnamige Titel “Pandemonium”, der nicht nur der Vorzeigetitel dieser EP ist, sondern auch ein gute Beispiel ist was man von In Legends musikalischem Treiben so erwarten kann. So wird deutlich, dass das Klavier das treibende Element dieser Konstellation ist und die fehlenden Gitarren schnell vergessen macht. Anstatt zu Genre typisch zu schreddern wird hier mit vollem Einsatz gehämmert was das Zeug hält und das hinterlässt in den ersten Sekunden von “Pandemonium” einen bemerkenswerten Eindruck. Nach 25 Sekunden setzt die gefühlvolle Seite der In Legend Klangwelt ein und auch Emigs Stimme, die aus ihrem Wechsel aus sanft klaren und verkratzt rauen Einlagen einen gewisschen Charme inne hat, dem man sich nicht entziehen kann und sehr an die Stimme seines Kollegen Schmidt erinnert. Ich frage mich dadurch noch heute wer auf den Jester’s Funeral Alben nun wirklich gesungen hat. Kaum beim Refrain angekommen ergießt sich hier die vorher angesprochene Ohrwurmwelle, die spätestens beim zweiten Hören zum Mitsingen aufruft.  Zum Ende hin zeigt Emig noch, dass er sowohl mehrstimmige Parts gekonnt meistern und diese Stellen zu einem Gänsehaut verursachenden Moment verwandeln kann.
“Prestinate” hingegen dreht den Spieß um und beginnt sehr gefühlvoll, um dann die Preßlufthammer zum Einsatz zu rufen. Mit Schwung und Druck setzt Emigs Stimme zur Strophe an und leitet damit den Weg zum hymnenhaften Refrain ein, der einfach mitgeschrieen werden muss und nur so vor mitreißender Kraft strotzt.
Ähnlich ist es auch beim Pedal To The Metal Äquivalent des Piano Metals “The Healer (Inclusive Remedy)”. Bei diesem Song wird das Tempo nur recht selten gezügelt und trotzdem kommt dieser Titel mit sehr gefühlvollen und vor allem mehrstimmigen Gesangseinlagen daher, die mir im Ohr hängen bleiben. In Sachen Refrain bleiben sich In Legend treu und sorgen für erneute Mitträllermöglichkeiten, denen man sich nicht entziehen möchte und kann. Bei der Hälfte des Songs wechselt dieser in einen zweiten Part namens “Remedy”, der um ein Viehlfaches ruhiger von statten geht. An dieser Stelle werden auch die hier und da verwendeten Samples hörbar deutlich.
Das Finale der EP nennt sich “Heya” und ist zwar stellenweise noch einen Ticken schneller als sein Vorgänger, nur tritt die Band hier öfters auf die Bremse. In meinen Augen weist dieser Song zwar die selben Merkmale der bereits genannten Songs auf, aber haut mich nicht durchweg vom Stuhl. Dafür finde ich die Strophe und den Refrain zu eintönig. Erst mit dem Break im letzten Viertel des Songs werde ich wieder ganz Ohr und klebe am musikalischem Klangbild des Trios. Das ist leider ein bisschen zu wenig, aber ändert nichts an meinem Gesamteindruck.

Fazit:
In Legends erstes Werk verpackt als EP ist eine erfrischende und abwechslungsreiche Einladung in ein unerforschtes Genre der Metallandschaft. Ohne verzerrte Gitarren reisen die drei Herren hinaus, um uns und dem Rest der Welt zu zeigen, dass es möglich ist Metalsongs zu schreiben und zu präsentieren, die völlig ohne das Instrument bekannter Helden wie Jimmy Page, Ritchie Blackmore, Jimmy Hendrix, Joe Striani, Steve Vai, Kirk Hammett, Alex Skolnick und Co. auskommen. Das dieses Vorhaben überhaupt kein Schuß in den Ofen ist machen die vier Songs dieser EP deutlich. Nebend gefühlvoll melodischen bis zu hämmernd schnellen Momenten bietet In Legends “Pandemonium” EP vor allem eine Menge an Ohrwurmpotenzial und mitreißende Refrains und mehrstimmige Parts, die Lust auf mehr machen. Das dabei der Jester’s Funeral Fan in mir auch eine gehörige Packung nach knapp vier Jahren Durstrecke erhält ist ein besonderer Bonus über den ich mich sehr feure. Man kann gespannt sein was noch so aus dem Lager von In Legend auf uns zukommen wird. Das erste Album lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Hörempfehlungen:
- Prestinate
- Pandemonium
- The Healer (Inclusive Remedy)
- Heya

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In Legend – Pandemonium:

In Legend – Heya (Live in Hamburg – 04.04.2010):

In Legend – The Healer (Live in Hamburg – 04.04.2010):

In Legend – Prestinate (Live in Hamburg – 04.04.2010):

In Legend – Me Against The Wall (Live in Hamburg – 04.04.2010):

In Legend – Pandemonium (Live in Hamburg – 04.04.2010):

In Legend – Vortex (Live in Hamburg – 04.04.2010):

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