Filter gehört bei uns zu den Bands, die nicht durch ihre Alben aufgefallen sind, sondern eher durch ein paar Songs. Für Paul ist eher der Industrial und Rock Bereich der Band was, wie zum Beispiel “Hey Man, Nice Shot” und “One“. Ich hingegen finde die ruhigeren bis rockigen Momente der Band klasse, wie die Hits “Take A Picture” und “Where Do We Go From Here“. Bis auf wenige Ausnahmen wollte der Funke beim Rest nicht so recht überspringen und uns von dem gesamten, musikalischen Treiben der Band überzeugen. Somit war Filter immer irgendwie auf dem Radar, aber nie in unmittelbarer Greifnähe, um ständig auf dem Laufenden zu sein. Deswegen war es auch eine echte Überraschung als am 17.08.2010 in den Staaten das insgesamt fünfte Album “The Trouble With Angels” im Laden stand und die damalige Single “The Inevitable Relapse”, weitere Hörproben und kostenlose Songs ihre Runden machten. Da war mein Intresse geweckt und ich fieberte der Veröffentlichung des Albums in Europa entgehen, die am 24.09.2010 anstand. Dann wollen wir mal sehen, ob der bis dato fehlende Funke wenigstens mich mit diesem Album trifft. Mehr dazu nach dem Klick!
Filter – The Trouble With Angels
Anzahl der Tracks: 10 + 2 (bei der Limited Edition) + 5 (bei der Deluxe Edition)
Gesamtlaufzeit der Standard Version: ca. 41 Min.
Seit der Veröffentlichung des vierten Albums “Anthems For The Damned” im Jahre 2008 sind zwei Jahre vergangen in denen die Bands mit einem dazugehörigen Remixalbum namens “Remixes For The Damned” (2008), dem Best Of “The Very Best Things (1995–2008)” (2009) und drei Beisterungen zu den Filmsoundtracks von “Saw V” (2008), “The Stepfather” (2009) und “2012″ (2009) ihre Fans bei der Stange hielten. In der Zeit langen die Herren aus Cleveland, Ohio, USA nicht auf der faulen Haut, sondern saßen mit Produzent Bob Marlette im Studio, um an “The Trouble With Angels” zu arbeiten. Bevor es aber richtig losgehen konnte stand für Sänger und Kopf der Band Richard Patrick, der mittlerweile seine Alkoholprobleme hinter sich gelassen hat und nun stolzer Vater einer Tochter und eines Sohnes ist, die Suche nach seinem alten Ich an. Der 27 jährige Spund, dem niemand was anhaben konnte und mit einer Fuck You Einstellung 1995 “Short Bus” aufnahm. Genau ihn wollte Bob Marlette wieder aus Patrick herauskitzeln.
Das ist ihm zwar nicht gelungen, aber es reichte aus, damit Patrick zum Rundumschlag ansetzte. So lassen sich Elemente der vier Vorgänger auf diesem Album wiederfinden. Zwar hier und da in abgeschwächter Form und passend zum aktuellen und zugänglicheren Sound der Band, der nicht mehr viel mit dem aus den Anfangstagen zu tun hat als Filter noch aus Richard Patrick, seiner Gitarre, einem Bassisten und einer Drum Machine bestand, aber Erinnerungen an alte Tage kommen dennoch auf. So lassen sich Industrialansätze aus “Short Bus” (1995) wiederfinden, Songs mit Hitpotenzial wie auf “Title Of Record” (1999) und rockige bis poppigere Songs der Alben “The Amalgamut” (2002) und “Anthems For The Damned” (2008). Leider merkt man es Patrick auch gesanglich an, dass er nicht mehr der junge Spund von damals ist. Die ruhigen und sanften Einlagen meistert er wie eh und je, nur bei seiner Handschrift dem Schreien schwächelt er hin und wieder hörbar als würde er versuchen das Letzte aus seiner Kehle zu kratzen. Das stört aber nicht so sehr und wenn dann auch nur an wenigen Stellen.
Wer jetzt denkt, dass Patrick weiterhin wie auf dem Vorgänger “Anthems For The Damned” den Irak Krieg thematisiert liegt falsch. Auch hier werden längst vergangene Momente und Schicksalsschläge aus Patricks Leben und Umfeld aufgegriffen und verarbeitet. Sowie Ereignisse, die uns aus der Geschichte oder den Medien erreicht haben. Bei der ersten Single “The Inevitable Relapse” und auch dem Song “Drug Boy” nimmt sich Patrick nicht nur seiner Drogenvergangenheit während seiner Zeit bei den Nine Inch Nails an, sondern verabreitet auch den Schicksalsschlag eines Filter Fans, der seinen Selbstmord im Internet ankündigte. Der Refrain zu “The Inevitable Relapse” begleitete Patrick schon damals als er diese Zeilen “Drink it, drink it, snort it, smoke it!” vor der Einnahme seiner Drogen vor sich her sang. Auch “No Re-Entry” befasst sich mit dem Thema Selbstmord, nur dort betrifft es enge Freunde des Filter Sängers. “Catch A Falling Knife” ist ein großes Fragezeichen an die große Welt da draußen. “Mom And Dad, What Happened?” Inspiriert zu diesen Zeilen wurde er unter anderem durch die Geschichte von Jaycee Dugard, die im Alter von 11 Jahren 1991 entführt wurde und mehr als 18 Jahre gefangen gehalten wurde. Der Titeltrack “The Trouble With Angels” behandelt das Thema des Konflikts zwischen Glaube, Irrglaube und den dadurch entstehenden Konsequenzen. Ob nun Galileo oder viele nach ihm kamen durch ihre Entdeckungen, die das gesamte Weltbild veränderten, in Konflikt mit der Kirche, die ihr Weltbild als das einzig Wahre ansah, und somit ein Leben in Gefangenschaft oder andere Dinge über sich ergehen lassen mussten – daher “The Trouble With Angels”.
Fazit:
“The Trouble With Angels” hat es geschafft mit einem Mix der alten Alben und einem Einsteiger freundlichen Sound mein Intresse an Filter neu zu wecken und in dem Maße anzuheben, dass ich mir diese aufs Neue zu Gemüte geführt habe. Dadurch ist mir erst aufgefallen welche tolle Songs ich in den letzten 11 Jahren verpasst und wie schnell ich bei Filters Material aufgegeben habe, anstatt es länger auf mich wirken zu lassen. Vielleicht war ich damals auch nicht so weit, um den kompletten Katalog der Band an mich ran zu lassen, aber durch “The Trouble With Angels” ist es nun endlich geschehen. Daher würde ich sogar jedem empfehlen, der noch nichts mit der Band anfangen konnte oder bis jetzt den Einstieg nicht gefunden hat, mit diesem Album den Weg zum Kern des musikalischen Treiben des Band anzutreten. Es enthält jeweils eine Priese der restlichen Alben und je nachdem welche Songs oder welche Würzung einem gerade gefällt kann man von hier aus in die ihm zusagende Richtung gehen und das Stück im vollen Glanz erleben. Dies soll jetzt nicht heißen, dass “The Trouble With Angels” ein schlechtes Album ist und unter allen anderen steht. Für mich steht es mit “Title Of Record” und “The Amalgamut” auf einer Ebene gefolgt von “Anthems For The Damned”, auch wenn diese einige meiner absoluten Hits der Band beherbergen. Wie gesagt gefällt mir bei Filter der Mix aus ruhigen, poppigeren und rockigen Momenten und den bekomme ich hier auch geboten ohne groß was zu vermissen. Klar, es fehlt ein zweites “Take A Picture” oder “Where Do We Go From Here”, aber was soll ich mich beklagen, wenn mir das Album die Tür geöffnet hat, die mir so lange verschlossen blieb, weil ich den Türknauf nicht finden konnte? Ich kann dieses Album wirklich empfehlen und auch Paul hat nach mehreren Anläufen mehr für sich auf dieser Platte entdeckt als noch bei der Podcastaufnahme vor zwei Wochen. In diesem Sinne gebt der Band und ihren Songs einfach mehr Zeit und eventuell macht es ja dann auch bei euch Klick!
Hörempfehlungen:
- No Love
- Drug Boy
- The Inevitable Relapse
- Catch A Falling Knife
- The Trouble With Angels
- Clouds
- Down With Me
- Absentee Father
- No Re-Entry
- Fades Like A Photograph (Dead Angel)
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Filter – The Inevitable Relapse:
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