Blind Guardian – At The Edge Of Time (Podcast: Alben-Review)

Vor grauen Jahren machten sich aus dem Dörfchen Krinvelde vier talentierte Barden auf den Weg ihre Loblieder, Geschichten, Sagen und Melodaien in allen Ecken der Welt vorzuführen. Sie erzählten von Hobbits, Zwergen, Orks, Elben, mächtigen Zauberern und Kriegern, die in Schlachten zogen und Abenteuer erlebten weit weg von unserer Vorstellungskraft. Unter dem Namen Blinder Wächter beglückten sie ihre Anhänger mit insgesamt neun Liedersammlungen, die ihnen viel Ruhm und Ehre einbrachten. Ihr Weg führte sie in die entlegensten Winkeln der Erde und wo auch immer sie ihre musikalischen Werke zum Besten gaben, überhäufte man sie mit Freude. Mittlerweile weltbekannt, gestärkt und mit vollem Tatendrang setzten sich die vier Barden wieder zusammen, um in ihrem Dörfchen Krinvelde die zehnte Liedersammlung entstehen zu lassen. Ganze vier Jahre vergingen in denen sie schrieben, sangen und musizierten. Am 31.07.2010 war es dann endlich soweit und die Barden brachten ihre neuste Liedersammlung namens “Am Rande der Zeit” unters Volk. Ob sich das Warten gelohnt hat erfahrt ihr, wenn ihr die Seite umgeschlagen habt.


Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus der 40. Folge des Babbel-Net Podcast!

Blind Guardian – At The Edge Of Time

Anzahl der Tracks: 10 + 6 (bei der Special Edition samt “Sacred” Videoclip und Studio Dokumentation)

Gesamtlaufzeit der Standard Version: ca. 64 Min.

Es liegt mittlerweile zwölf Jahre zurück, seitdem ich das erste Mal in Kontakt mit der Musik und den sehr interessanten Cover Artworks von Blind Guardian kam. Es war die Zeit als das siebte Studioalbum “Nightfall In Middle-Earth” in den Läden stand und die Band, damals noch mit Thomas “Thomen” Stauch an den Drums, in den Ruhr-Rock-Hallen in Dortmund eine Autogrammstunde abhielt. Leider war Gitarrist André Olbrich aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort, aber dieser Moment gehört immer noch zu meinen persönlichen Highlights. Vor allem, weil mein Kollege Dennis Strillinger und ich uns nach der Autogrammstunde einfach das Recht herausnahmen, die Herren anzusprechen und kurz über das aktuelle Album und das Fehlen von Olbrich zu sprechen. Es war einfach der Hammer für mich als aufstrebenden Musiker seine Helden live in Persona erleben zu können. Seitdem ist das Verleihen meiner “Nightfall In Middle-Earth” CD ein wahrer Vertrauensbeweis, weil sich im Inlay die drei Unterschriften der Krefelder befinden. An meinem Dasein als Blind Guardian Fan hat sich bis heute nichts geändert. Ich fiebere mit voller Begeisterung jeder Veröffentlichung entgegen und kann es schon Tage davor nicht mehr erwarten bis es endlich soweit ist. Egal welchen Weg sie einschlugen es hat mir nichts ausgemacht, denn es gab immer irgendwas für meinen Geschmack.

Wie jeder Fan habe ich mich schon an den typischen Veröffentlichungsrythmus der flotten Vierers gewöhnt und warte brav die vier Jahre zwischen den einzelnen Studioalben ab ohne mich zu beschweren. Dieses Prozedere liegt mir so oder so im Blut, weil ich es nicht anders kennengelernt habe. Schließlich setzte dieser Rythmus mit dem Erscheinen von “Nightfall In Middle-Earth” ein und wird seitdem so fortgeführt. Vier Jahre sind eine lange Zeit in der man sein Interesse durchaus verlieren kann, aber es bedeutet auch was lange währt, wird endlich gut. Dieses Konzept ging für mich bei allen Alben nach “Nightfall In Middle-Earth” auf, auch wenn diese meine absoluten Lieblingsalben “Imaginations From The Other Side” (1995) und “Somewhere Far Beyond” (1992) nicht übertrafen. Trotzdem ließen sich immer eine Handvoll und mehr Songs finden, die noch heute sehr gerne gehört und mitgeträllert werden.

Bei “At The Edge Of Time” ist es genauso und der negative Stempel des “Kennst du einen Song, dann kennst du alle!” ist schon lange bei Blind Guardian ein positives Markenzeichen. Die Band weiß es einfach wie man trotz Abschweifungen, leichten Wiederholungen und dem Einbinden neuer Einflüße ein solides und überzeugendes Album abliefert, dass den typischen Blind Guardian Sound und Touch inne hat. So lässt sich auch hier das weitere Spektrum des musikalischen Treibens der Band wiederfinden.
Da wären natürlich die Pfeil schnellen und Messer scharfen Speed Metal Granaten wie “Tanelorn (Into The Void)”, die aktuelle Single “A Voice In The Dark” und “Road Of No Release”, die nicht nur die Nackenmuskeln in die Knie zwingen, sondern auch zum Mitsingen und stellenweise Mitkreischen einladen.
Wer es lieber ein wenig gemächlicher haben will und sich nicht so recht zwischen ruhig und hart entscheiden kann wird mit “Road Of No Release”, “Valkyries”, “Control The Divine”, “Wheel Of Time” und der neuen Version des für das Action-Rollenspiel und gleichzeitig letztem Ascaron Hit “Sacred 2: Fallen Angel” komponierten “Sacred” namens “Sacred Worlds” glücklich werden. Besonders “Wheel Of Time” muss hier hevor gehoben werden, weil dieser Song die perfekte Fusion aus Blind Guardians musikalischen Geschichtern ist. Hierbei liefern Blind Guardian ihre typische Metalfaust samt Percussionparts, während das Prager Symphonieorchester mit ihrem Können ihnen die Hand reicht und den orchestralen Sound der Krefelder auf ein noch nie da gewesenes Level heben. Ursprünglich war dieser Song für das lang auf sich wartende Orchester Projekt gedacht, dass komplett unverzerrt und ohne Schlagzeug daher kommen und vor allem mehr kürschen Gesang und Orchester bieten soll. Jedoch war die Band nicht so ganz überzeugt von diesem Song in diesem Projekt und so gaben sie ihm einen orientalischen Touch und drehten die Gitarren wieder aufs los Schreddern.
Wie auf jeder Platte darf auch hier das sanfte Gemüt mit großer Begeisterung für folkige Schunkeleinlagen seine strahlende Freude haben mit dem leicht verträumten und durchweg vom Klavier begleiteten Stück “War Of The Thrones” und dem “Bard’s Song” dieser Scheibe “Curse My Name”. Hier kommen Percussions, Marschtrommeln, Akustik Gitarren, Geigen, irische Flöten und sogar man höre und staune Steptänzer zum Einsatz, die im vermischten Ganzen mit Hansi Kürschs Gesang samt Chor im Hintergrund einem eine Gänsehaut verpassen. Man hat wirklich das Gefühl gleich in seine letzte Schlacht zu ziehen und für den Sieg alles zu geben was man hat.
“At The Edge Of Time” bietet einen guten Mix aus dem musikalischem Schaffenswerk der Krefelder und sollte somit allen Fans, ob alt oder jung Fans, was bieten, um zufrieden die nächsten vier Jahre geduldig zu überstehen.

Fazit:
Ich kann mich nur wiederholen, denn mit “At The Edge Of Time” schlagen die Krefelder mit mehr Elan, Tempo und Hang zur Perfektion in die für mich bis heute gut klingende Kerbe, wie die Alben zuvor. Naja vielleicht treffen sie dieses Mal die Stelle sogar einen Ticken besser als die Jahre davor. Die Band ist weder stehen geblieben noch ihren Weg zurück gegangen. Blind Guardian gehen beständig ihren Weg weiter, nur führt dieser in gefühlt gewohnte Gefilde, die irgendwie bekannt, aber trotzdem neu wirken. Schließlich ist man immer da zu Hause, wo das Herz ist und das liegt nicht im Jahre 1998 oder 1995, sondern im hier und jetzt. Das machen sie auch deutlich, indem sie ihr breites Spektrum an temporeichen Speed Metal, bombastischen Orchesterwellen, folkigen Bardenliedern, sanften Balladenklängen und hymnenhaften Refrains ankarren und es zu einem großen Ganzen vermischen und diese Suppe mit teils orientalischen, teils bis jetzt unbeachteten und teils von Grund auf selbstgemachten Klängen bzw. Gewürzen verfeinern. Diese Mischung bietet wie gewohnt den typischen Blind Guardian Sound und Touch, der bis jetzt jedes Album der Krefelder Band ausgemacht hat und sie berühmt gemacht hat. Was mir ein wenig fehlt trotz all dieser positiven Eindrücke und Momente auf der Platte ist der absolute Kracher, wie “Mirror Mirror”, “Another Holy War”, “Somewhere Far Beyond” oder “Journey Through The Dark”, die mir einen Schauer den Rücken runter laufen lassen und keinen Zweifel aufkommen lassen nicht als künftiger Klassiker der Band angesehen zu werden. “A Voice In The Dark” hat zwar das Tempo und “Valkyries” die Strophe und den Refrain zu solch einem Song, aber es fehlt genau der Song, der diese Elemente in sich vereint. Das soll nicht heißen, dass die Songs des Albums schlecht sind. Keineswegs, nur wäre solch ein Song der strahlende Punkt auf dem völlig überzeugendem Album namens “At The Edge Of Time”. Vielleicht versteckt er sich auf dieser Platte und ich muss ihn noch finden, denn je öfter ich die CD höre, desto besser werden die Songs für meinen Geschmack. “At The Edge Of Time” ist nicht das beste Album der Band und übertrifft auch nicht meine Lieblingsalben der Band, aber es gehört definitv zu den besseren Alben. Viel mehr brauche ich auch nicht als Fan, um auf das nächste Album problemlos warten zu können.

Hörempfehlungen:
- Valkyries
- Curse My Name
- A Voice In The Dark
- Sacred Worlds
- Ride Into Obsession
- Road Of No Release
- Control The Divine
- Tanelorn (Into The Void)
- War Of The Thrones
- Wheel Of Time

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Blind Guardian – A Voice In The Dark:

Blind Guardian – “The sacred wheel of time cannot erase the medieval song” Session Part 1:

Blind Guardian – “The sacred wheel of time cannot erase the medieval song” Session Part 2:

Blind Guardian – “The sacred wheel of time cannot erase the medieval song” Session Part 3:

Blind Guardian – “The sacred wheel of time cannot erase the medieval song” Session Part 4:

Blind Guardian – “The sacred wheel of time cannot erase the medieval song” Session Part 5:

Blind Guardian – “The sacred wheel of time cannot erase the medieval song” Session Part 6:

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Ein Kommentar zu “Blind Guardian – At The Edge Of Time (Podcast: Alben-Review)”

  1. Dennis B. sagt:

    Was für ein gutes Review…trifft genau meine Meinung … die Herren habens immernoch drauf… aber wenn man mal ein Monster geschaffen hat, wie “Nightfall…” wirds schwer das zu übertreffen … aber auf jeden Fall kann das Album was…

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