Aber Aber – Nullkommaeinsprozent (Alben-Review)

Wer unseren Blog seit den Anfangstagen kennt oder unser Podcast Spezial zum einjährigen Bestehen gehört hat, wird die Bands “Aber Aber” bzw. “Schmoove” bereits kennen und hier mit ihrem Song “Wenn’s so weitergeht” auch schon gehört haben. Das dazugehörige Debütalbum mit dem Namen “Nullkommaeinsprozent” ist mittlerweile seit April erhältlich und mit den sich darauf befindenen elf Songs stieg auch meine Vorfreude auf diese CD. Ob diese berechtigt war und ob ich euch das Album auch empfehlen kann, erfahrt ihr wie gewohnt nach dem Klick!

Aber Aber – Nullkommaeinsprozent

Anzahl der Tracks: 11

Gesamtlaufzeit der Standard Version: ca. 42 Min.


Die Formation hinter Aber Aber bestehend aus Kim Rørbæk (Gesang und Gitarre), Sven Breuel (Contrabass, Cello und Chorgesang), Kai Brötzmann (Gitarre) und Peter Kistmacher (Schlagzeug und Percussion) ist mittlerweile seit 1996 gemeinsam aktiv. Als Schmoove versuchten die Herren neue Wege zu gehen, um sich musikalisch auszudrücken und ihren eignen Stil zu finden. Diesen haben sie auch in einer Mischung aus teils romantischer und teils grooviger Akustikmusik gefunden, die sie sowohl mit englischen als auch deutschen Texten unterlegt haben. Die Mischung reichte aus, um mich mit Ohrwürmern und musikalischen Kopfkinoerlebnissen im Sturm zu erobern ohne Abnutzungserscheinungen. Um das Jahr 2007 rum entschieden sich die Herren das Projekt Schmoove auf eine rein deutsche und poppigere Schiene zu führen und so wurde Aber Aber ins Leben gerufen. Trotz des poppigeren Anstrichs kam der bekannten Schmoove Wirkung nichts abhanden und Fans des Quartetts dürfen sich über das eine oder andere Comeback bekannter Songs freuen, die hier einen neues musikalisches Gewand bekommen.

Ihr Debütalbum “Nullkommaeinsprozent” ist wie oben schon erwähnt bereits erschienen und liefert mit dem verträumten “Kommen aus dem Wasser” und dem groovigen “Was fällt dir ein” zwei vertraute Lieder aus dem Repertoire von Schmoove. Hierbei handelt es sich um die Songs “Cafee Calm” und “Es geht was“. Ersterer wirkt nun um einiges atmosphärischer dank der Verwendung eines Synthesizers, der vor allem im Refrain das Unterwassergefühl schön in Szene setzt. Außerdem ist der Song nun komplett in Deutsch und zudem um eine Minute länger. “Es geht was” hingegen wurde mit seiner neuen Version “Was fällt dir ein” um knapp zwei Minuten gekürzt, aber wirkt einen Ticken flotter. So sehr ich diesen Song mag gefällt mir die alte Variante ein wenig besser, da mir in der alten Version der verzerrte und mit einem Wah-Wah Effekt versehende Bass sehr gefallen hat und der Song im Ganzen ein bisschen düsterer wirkte. Zudem war der zweistimmige Break im Original klasse. Trotz der leichten Veränderungen geht beiden Songs ihre Wirkung nicht verloren. Was einem in dem Fall besser gefällt ist also reine Geschmackssache.

Wie auch Schmoove fühlen sich Aber Aber im selben muskalischen Gefilde wohl. So wechseln sich auf “Nullkommaeinsprozent” romantische und verträumte Nummern mit groovigen bis poppigen Nummern ab.
Bei “Saltoüberschlag” gehen die Herren recht gemächlich voran und erweitern ihre sanfte Klangwelt mit einer Pedal-Steel-Gitarre und Streichern, die wie der Refrain dem Hörer unter die Haut geht. Dort ergießt sich die in der Strophe immer größer werdene Welle über das Ufer des gedanklichen Strands mit Rørbæks gefühlvoller Stimme und den Streichern im Hintergrund.
Passend dazu gesellt sich “Wie spät ist jetzt”, wo Aber Aber neben den Band typischen Elementen wie Akustikgitarre, Contrabass und Schlagzeug auch auf ein Klavier zurückgreifen. Auch hier bekommt man das Gefühl am Strand zu sitzen und sich vom Anblick der untergehenden Sonne berieseln zu lassen. Das i-Tüpfelchen in diesem Song setzten die Herren im Refrain mit dem Einbinden eines Glockenspiels und Cellos, dass dem ganzen Szenario der schwindenen Sonne was schönes und aufmunterndes verleiht.
Wer weniger auf Ereignisse aus dem Kopfkino steht kann sich über Pop Songs freuen, die zum Mitwippen und Tanzen einladen.
“Wenn’s so weitergeht”, der für mich beste Song dieser CD, hebt sich vor allem dadurch ab, dass Sänger Rørbæk hier zum ungewohnten aber dennoch gut passenden Sprechgesang ansetzt, während die Band begleitet von Trompeten und Posaunen dem Ganzen einen funkigen Touch verleiht.
In “Dein Ego” spielt Funk keine Rolle mehr, denn hier widmen sich Aber Aber orientalischen Klängen, die besonders im Intro und im Refrain von der griechischen Bouzouki getragen werden. Auch hier finden wir den Sprechgesang Rørbæks wieder. Das Highlight für mich in diesem Stück ist immer noch der Refrain, wo sich die Bouzouki tief in den Gehörgang spielt und dort verweilt.
Alle guten Dinge sind drei und so werden wir auch beim Titelsong “Nullkommaeinsprozent” wieder Zeuge des Sprechgesangs, der in der Strophe zwar keine Trompeten und Posaunen bietet, aber dennoch mit vollem Akustik-Funk strotzt und den Drang aufkommen lässt alle 0,1 Prozent mitzusingen.
“Hier ein schönes Lied” gehört in die selbe Sparte. Kaum im Takt bewegen sich alle Glieder zur Musik und auch der Refrain lädt wieder zum aktiven Mitsingen ein, während mal wieder Streicherparts sich gekonnt in Szene setzen.
Das schwungvolle Stück “Wir müssen reden” ist wohl der Pop Song der Platte, der mir gerade wegen den oft verwendeten Streichern sehr gefällt. Diese verleihen dem Song auch mehr Dynamik und unterstreichen somit auch passend die Thematik jede Chance im Leben zu nutzen.
Der Song “Schmoove” liegt genau in der Mitte. Obwohl er thematisch zu den gefühlvollen Songs gehört lassen Aber Aber es sich nicht nehmen diesen Song eine gehörige Packung an Groove zu verpassen. Dadurch gibt man sich auch hier recht schnell dem Takt hin. In meinen Augen kommt in diesem Lied leider Rørbæks Gesangs- bzw. Summsolo viel zu kurz. Besonders auf diese Stelle freue ich mich bei jedem Hörgang.
Die Herren sind sich aber auch nicht zu schade, um verspielt und mit Mut zu kindlichen Melodien ans Werk zu gehen, wie bei “Querfeldein”, dass mit Flöten, Xylophon und Saxophon zu einem unbeschwerten Spaziergang querfeldein einlädt.

Fazit:
Das Debütalbum “Nullkommaeinsprozent” von Aber Aber ist ein gutes und solides Album geworden, dass sämtliche Stärken der Band in sich vereint ohne große Wünsche aufkommen zu lassen. Songs mit Ohrwurmpotenzial, die sowohl dafür geeignet sind die Seele baumeln zu lassen als auch sich neu zu motivieren und nach knapp 42 Minuten wieder durchzustarten. Wer sich für Akustikmusik mit deutschen Texten begeistern kann, die zugleich Eintrittskarten für Kopfkinoerlebnisse verteilt und nebenbei die verstaubten Knochen in Bewegung bringt, ist hier genau richtig. Wer gerne den passenden Soundtrack sucht für Tage am Strand, auf dem Land, unterwegs im Auto oder daheim vor dem Fenster oder dem Kamin kann problemlos zugreifen. Dem Rest empfehle ich einfach das Reinhören in die Platte. Ich bin völlig zufrieden, auch wenn ich schon gerne den Song “Bring ud zthe Lights Dimoh” auf der Platte im neuen Gewand sehen hätte wollen. Man kann gespannt sein, was sich noch so in den Lagern von Aber Aber und Schmoove tun wird. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Studioversion oder eine deutsche Version von “Privatie”, “Posh”, “Soul Cought”, “Aua”, “Schade”, “More More More” oder “Frühstücksbrett”. Man wird sehen, aber bis dahin wird weiterhin “Nullkommaeinsprozent” gehört.


Hörempfehlungen:
- Wenn’s so weitergeht
- Was fällt dir ein
- Wir müssen reden
- Dein Ego
- Querfeldein
- Nullkommareinsprozent
- Saltoüberschlag
- Wie spät ist jetzt
- Kommen aus dem Wasser
- Schmoove
- Hier ein schönes Lied

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