Nelson Tethers: Puzzle Agent (Game-Review)

Die Spieleschmiede Telltale Games aus San Rafael, California, USA hat sich mittlerweile einen Namen durch ihre episodenhaften Veröffentlichungen von namenhaften oder kultigen Spieleserien gemacht. Dabei haben sie sich hauptsächlich den Point & Click Adventures verschrieben und Spiele zu den Marken “Bone”, “CSI: Crime Scene Investigation”, “Sam & Max”, “Wallace & Gromit” und “Monkey Island” produziert. Für den Winter diesen Jahres wurden bereits weitere Spieleumsetzungen zu zwei sehr bekannten Marken angekündigt. Die Rede ist von einer Versoftung zu “Jurassic Park” und für mich sehr reizvoll zu “Zurück in die Zukunft” in episoden Form. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit und deswegen bleiben wir im Hier und Jetzt und widmen uns dem neusten Spiel aus dem Hause Telltale Games mit dem Namen “Nelson Tethers: Puzzle Agent”. Wer jetzt an ein weiteres Point & Click Adventure denkt, den muss ich enttäuschen, denn es handelt sich hierbei um ein Puzzle Adventure mit den bekannten “Grickle” Zeichnungen von Graham Annable. Mehr dazu erfahrt ihr, aber nach dem Klick!

Nelson Tethers ist der beste Mann in seinem Fach und arbeitet deswegen beim FBI. Tethers Job sieht normalerweise keine Außeneinsätze vor, denn er leitet die Abteilung für Rätselfragen und widmet sich diesen mit vollem Einsatz. Während eines kurzen Nickerchens am Schreibtisch besucht ihn im Traum ein Astronaut, der auf einem Kreuzworträtsel eine Nachricht für Tethers hinterlässt. Der Puzzle Agent erwacht mit Schweißperlen im Gesicht als plötzlich das Telefon klingelt. Am Apparat wird er von oberster Stelle über seinen ersten Einsatz im Freien informiert. Das Reiseziel lautet Scoggins, Minnesota; wo die Radiergummifabrik liegt, die auch das Weiße Haus mit dem korrigierendem Gummi beliefert. Diese hat mysteriöserweise über Nacht die Produktion eingestellt und Tethers soll dem nun ein Ende setzen. An sich wäre dieser Auftrag nix besonderes und keine große Sache, hätte der Astronaut aus seinem Traum nicht den Namen Scoggins auf dem Kreuzworträtsel hinterlassen. Vor Ort stellt Tethers fest, dass der Ort Scoggins und seine Einwohner recht merkwürdig ist. Jeder in diesem verschneiten Örtchen begeistert sich für Puzzlespiele und der Fakt, dass die Radiergummifabrik von Außen mit einem merkwürdigem Schloß verriegelt und es zudem eine Explosion in der Fabrik gab bei dem der Vorarbeiter Isaac Davner verschwunden ist, lässt sie völlig kalt. Deswegen ist nun Puzzle Agent Nelson Tethers gefragt hinter das Geheimnis von Scoggins zu schauen.

Auch wenn man Anfangs ohne mit der Wimper zu zucken “Nelson Tethers: Puzzle Agent” als typisches Point & Click Adventure abstempeln würde, ist dem nicht so. Denn das Hauptaugenmerk liegt auf dem Lösen von Puzzlespielen, anstatt dem Erkunden von Orten und dem Kombinieren von Gegenständen. Das Einsammeln von Objekten beschränkt sich nur auf in der Gegend rumklebende Kaugummis, die Tethers Gehirn zur Höchstleistung treiben. Warum er keine frischen Kaugummis verwendet liegt einfach daran, dass Scoggins seit längerem nicht mehr mit neuen Kaugummis beliefert worden ist. Was die Puzzlespiele angeht verbergen sich dahinter 37 Logikrätsel, die mal mehr mal weniger euren Kaugummieinsatz beanspruchen. Dieser kann euch auch Wort wörtlich dabei helfen die Aufgaben zu lösen, denn jedes Kaugummi kann einen von drei Hinweisen pro Rätsel offenbaren. Die Aufgaben unterscheiden sich vom Zusammenpuzzlen von Gegenständen, Rohrsystemen oder Routen; dem Trennen von Käfern in ausreichend große Bereiche; dem Ermitteln eines Passweges zwischen acht Footballspielern ohne eine der acht rumstehenden Scheiben zu zerstören bis zum Herausfinden wie viele Gartenzwerge fünf unterschiedliche Vögel tragen können während das Gewicht ausbalanciert sein muss und sind geschickt in den vielen Gesprächen zwischen Tethers und den Einwohner von Scoggins verbaut. Somit wird es kaum dazu kommen ein Gespräch zu führen ohne eine Aufgabe dabei oder danach zu lösen. Vor allem Menschen mit Problemen im Englischen werden hier leider recht schnell verzweifeln, um die Aufgabenstellungen zu verstehen, geschweige denn die humorvollen Gespräche. Dabei nimmt das Spiel den Spieler an die Hand und hilft ihm wo es nur geht und es wirkt fast so als würde einem alles vorgekaut werden, aber wer dem Englischen nicht mächtig ist sollte die Finger von Tethers Abenteuer lassen.

So erfrischend die Idee mit den Puzzle- und Logikrätseln auch sein mag, die besondere Stärke des Spiels und der Anreiz es zu spielen liegt in meinen Augen viel mehr in der Geschichte, die es erzählt samt den durchgedrehten Charakteren und der aufkommenden Mysterystimmung, die sehr an “Twin Peaks” erinnern. Generell orientiert sich das Spiel an der Serie. So besteht Scoggins mehr oder minder aus den selben Hauptschauplätzen und Nelson Tethers Art und Vorgehensweise könnten glatt, die des Special Agents Dale Cooper sein. Auch die eine oder andere Anspielung auf die Log Lady und vor allem Tethers Neigung jeden Schritt penibel genau in sein Diktiergerät zu sprechen zeigt deutlich, dass “Twin Peaks” ein großer Einfluss für “Nelson Tethers: Puzzle Agent” war. Deswegen werden vor allem Fans der Serie ihre pure Freude in diesem Spiel finden. Kaum angefixt vom Setting möchte man auch wissen welches Geheimnis sich hinter Scoggins und den so genannten “verborgenen Leuten” verbirgt. Dabei ist sich selbst Telltale nicht zu schade die Spannung durch kleine Schockmomente während den Rätseln und in der Geschichte anzuheben. Bei mir kommt immer noch eine Gänsehaut auf, wenn ich an die Messer scharfen Geigenparts an diesen Stellen denke. Leider verpufft das alles, wenn es um das Ende geht. Der Spieler steht, wie Tethers, ahnungslos da und fragt sich was in Scoggins nun genau passiert ist und warum überhaupt? Tja, diese Fragen können wohl nur Telltale Games und Graham Annable beantworten.

Letzterer bietet mit seinen Zeichnungen einen sehr interessanten und sympathischen Stil und sorgt dafür, dass “Nelson Tethers: Puzzle Agent” sich von den sonstigen Telltale Games Titeln deutlich abhebt. Zum Großteil spielt sich die Handlung in schönen 2D Motiven ab, aber hin und wieder wechselt das Spiel von diesen reinen 2D Bildern in 3D Gebilde, um bestimmten Orten einen plastischeren Touch zu geben. Ich musste mich mehrmals dabei ertappen, wie ich fast jedes Motiv per Screenshot festgehalten habe, da Annable hier einige Wallpaper würdige Szenen abliefert. Einziges Manko in diesem Bereich ist das Ranzoomen an Animationen, die dadurch völlig unscharf werden und den so guten Eindruck vermissen lassen.

Fazit:
Die Rätsel mögen zwar mal mehr und minder fordernd und das eigentliche Hauptelement des Spiel sein, aber wäre nicht der große sich durch Anspielungen äußernde Einfluss namens “Twin Peaks”, der besondere Look durch Graham Annables Zeichnungen und die bis auf das Ende motivierend, spannende Geschichte und das dabei aufkommende Mysterygefühl würde ich euch direkt davon abraten die gerade mal 9,95 Dollar für “Nelson Tethers: Puzzle Agent” auf den Tisch zu legen. Mir wäre “Nelson Tethers: Puzzle Agent” mit dem Ansatz ein Point & Click Adventure zu sein viel lieber gewesen, weil ich mich diese Art von Spielen mehr motiviert und am Ball hält. Letzten Endes ist es halt wie es ist. “Nelson Tethers: Puzzle Agent” ist ein Puzzle Adventure mit überzeugenden Argumenten in Sachen Handlung, Charaktere, Stimmung, Setting und Witz, aber leider auch einem enttäuschenden Ende, unscharfen Nahaufnahmen und Rätseln bzw. Logikaufgaben, die mich nicht direkt davon überzeugen das Spiel zu spielen. Wer sich für etwa fünf Stunden damit beschäftigen will seinen Grips zu testen und dabei in eine sehr intensive von “Twin Peaks” beeinflusste Welt abzutauschen, der kann ruhig die 9,95 Dollar für “Nelson Tethers: Puzzle Agent” ausgeben. Alle anderen sollten lieber mal die Demo im Vorfeld testen und sich ein Bild von Telltale Games Puzzle Adventure machen.

Freigabe: nicht geprüft

Systemanforderungen:
Minimale Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Windows XP / Windows Vista / Windows 7
Prozessor: 2.0 Ghz
RAM: 512 MB
Grafikkarte: 64 MB
Freier Festplattenspeicher: 220 MB

Empfohlene Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Windows XP / Windows Vista / Windows 7
Prozessor: 3.0 Ghz Pentium 4
RAM: 1 GB
Grafikkarte: 128 MB
Freier Festplattenspeicher: 220 MB

Weitere Plattformen:
- Mac
- iPhone
- iPad

Links:
Offizielle Seite
Offizielle Grickle Seite

Nelson Tethers: Puzzle Agent E3 2010 Trailer:

Screenshots:

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