Mass Effect 3 (Podcast: Game-Review)

Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Commander John Shepard die Kollektoren ausgelöscht und somit einen drohenden Reaper-Angriff vereitelt hat. Dass er hierfür mit der extremistischen Gruppe Cerberus paktieren musste, hat nicht jedem gefallen und somit steht Shepard – der mit Cerberus gebrochen hat – nun auf der Erde vor Gericht, den niemand glaubt ihm die drohende Reaper-Invasion. Doch zu dieser Verhandlung soll es erst gar nicht kommen, denn die Reaper sind längst da und greifen die Planeten der bekannten Galaxie an. Unter anderem auch die Erde und so beginnt der Anfang vom Ende.


Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus der 75. Folge des Babbel-Net Podcast!

Soviel sei verraten: Shepard kann an der Seite von Admiral Anderson aus der apokalyptischen Zerstörung fliehen. Und hier beginnt die Reise, um möglichst viele Verbündete Streitkräfte zu gewinnen, mit deren Hilfe der Reaper-Angriff zurückgeschlagen werden soll. Natürlich gestaltet sich das Ganze nicht als sonntäglicher Spaziergang, sondern ist mit viel Überzeugungsarbeit, sowie Schweiss und Tränen verbunden, denn fast jede Partei hat einen Wunsch, eine Aufgabe oder eine Bedingung, die zu erfüllen ist, um die Truppen für sich zu gewinnen. Nicht selten bleiben dabei auch andere Rassen oder Gruppierungen auf der Strecke oder möchten sich nicht mehr beteiligen. Und natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit dem “Unbekannten”, dem Anführer von Cerberus, der ebenfalls seine Finger mit im Spiel hat. Wie weit dies geht, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Rein spielerisch unterscheidet sich “Mass Effect 3″ auf den ersten Blick nicht wesentlich vom Vorgänger: Es bleibt die Option, einen bestehenden Charakter aus “Mass Effect” und “Mass Effect 2″ zu importieren oder einen neuen zu erstellen. Das Levelsystem gleicht dabei ebenfalls dem von “Mass Effect 2″. Das Spiel lässt sich auf drei verschiedene Arten spielen: Im sogenannten Rollenspielmodus, der quasi das bereits bekannte “Mass Effect”-Prinzip darstellt und volle Entscheidungsfreiheit sowie die üblichen Kämpfe bietet. Darüber hinaus gibt es einen Actionmodus, bei dem der Spieler in Gesprächen nicht mehr zwischen den Gesprächsoptionen wählen kann, sondern sich einzig und allein aufs Ballern konzentrieren kann und zu guter Letzt den Storymodus. Hier werden die Kämpfe auf die leichteste Schiene geschoben, die Gespräche bleiben aber mit allen Wahlmöglichkeiten erhalten.
Die meisten Änderungen im Spiel selbst sind aber Detailverbesserungen: Das Deckungssystem der Kämpfe wurde optimiert. Waffen und Erweiterungen müssen nicht mehr erforscht und durch Ressourcen finanziert werden, sondern können gefunden oder käuflich in Shops erworben werden. Dies führt natürlich auch dazu, dass das aus “Mass Effect 2″ bekannte Scannen von Planeten nach Ressourcen nicht mehr nötig ist. Damit aber trotzdem ein wenig gescanned werden darf, findet man durch abscannen der Galaxien jetzt Treibstoff, Kampftruppen oder Waffen und Erweiterungen. Und damit das Ganze auch einen Haken hat, macht der Scanvorgang Reapereinheiten, die sich im näheren Umfeld befinden, auf Shepard und die Normandy aufmerksam und führt bei mehrfachem Gebrauch dazu, dass die Reaper in den Angriff übergehen und man sich schnellstmöglich aus dem Staub machen sollte.
Wirklich neu ist nur die Möglichkeit, im kompletten Spiel zusätzlich zum Controller auch die Spracherkennung von Kinect zu nutzen (natürlich nur bei der Xbox360-Version). Hierbei kann man sämtliche Befehle wie “Benutzen”, “Öffnen” oder “Reden” geben, in den Dialogen diese durch Vorlesen der gewünschten Option auswählen und seine Teammitglieder kommandieren und im Gefecht die aktive Ausrüstung wählen. Wirklich effektiv sind dabei aber nur die letzten Dinge. Ich persönlich habe ausschließlich meine KI-Kollegen befehligt, ihnen gesagt, welche Kräfte sie einsetzen und wann sie Granaten werfen sollen. Das funktioniert sehr gut und spart den Umweg über das bereits bekannte Ring-Menü, das mich schon bei “Mass Effect 2″ davon abgehalten hat, aktiv in das Verhalten der anderen beiden einzugreifen. Auch der schnelle Waffenwechsel und das Werfen von Granaten hat sich als durchaus sinnvoll erwiesen, um den Spielfluss im Kampf nicht zu unterbrechen.
Ansonsten bleibt eigentlich alles beim Alten: Man sammelt fröhlich Haupt- und Nebenquests, grast die Galaxien nach Planeten ab um die Quests zu erfüllen, treibt die Story voran und stärkt seine eigene Armee.
Auf der technischen Seite hat sich ebenfalls nicht viel getan: Zwar wurde im Vorfeld groß und breit angekündigt, dass die Grafik ein neues Level erreichen und vor allem die Charakteranimationen und die Mimik extrem verbessert werden soll, viel davon habe ich allerdings nicht gesehen. Die Grafik ist gut, kein Totalausfall, gleicht aber in meinen Augen zu 90% der Grafik von “Mass Effect 2″. Der Soundtrack ist gewohnt dramatisch und in der Regel auch immer passend. Schließlich wird hier auch mit dem Namen Clint Mansell (Pi, Requiem For A Dream, Doom, The Fountain, The Wrestler, Blood: The Last Vampire, Moon, Black Swan …) geworben, der – wie zu erwarten war – aber lediglich einen kleinen Teil zum Soundtrack beisteuern durfte. Die deutsche Synchronisation ist wie gewohnt gut, aber nicht überragend. Interessant ist hier, dass EA und Bioware das, was sie schon bei “Mass Effect 2″ versprochen aber nicht gehalten haben, endlich getan haben: Die englische Sprachausgabe ist per kostenlosem DLC zum Release verfügbar gewesen und so kann jeder, der es möchte, in den Genuss der wesentlich besseren Variante mit großen Namen wie Seth Green, Freddie Prinze Jr., Lance Hendriksen, Martin Sheen und Carrie-Ann Moss kommen.

Komplett neu hingegen ist der Multiplayer-Part, den keiner der beiden Vorgänger bieten konnte. Hierbei handelt es sich vorwiegend um “Horde”-artige Kämpfe, bei denen immer schwerer werdende Gegnerwellen bekämpft werden müssen. Die gewonnenen Matches werden dabei im “Galaxy At War”-Modus gezählt und stärken ebenfalls die Truppen im Single-Player-Modus. So soll ein Anreiz gegeben werden, auch mal ins Online-Spiel hineinzuschauen, auch wenn man – wie wohl die meisten – in einer klassischen Single-Player Kampagne eher keinen Bedarf für einen Mehrspielermodus sieht. Und da bei mir das Matchmaking nur bedingt funktioniert hat, habe ich es auch bei einem Reinschnuppern belassen. Hauptproblem war hier allerdings nicht das Finden von laufenden Spielen, sondern vielmehr die anderen Spieler selbst: In der Lobby können alle Mitspieler andere aus dem Spiel herausvoten. Und genau das führt unweigerlich dazu, dass man als Level 1 selten eine Möglichkeit findet, einem Spiel beizutreten, da scheinbar jeder, der einen höheren Level erreicht hat, niemanden der nicht eine vergleichbar hohe Zahl neben seinem Namen stehen hat, dabei haben möchte.
Den größten, nahezu unüberhörbaren Aufschrei der Community hat aber – wider erwarten – nicht der Multiplayer gebracht, sondern das Ende von “Mass Effect 3″. Hauptkritikpunkte waren dabei, dass alle Entscheidungen, die der Spieler im Laufe der drei Teile gefällt hat, scheinbar nur marginale Auswirkungen auf den Ausgang der Handlung haben und dass das Ende für viele wohl ein zu endgültiger Ausgang der Geschichte ist. Ich für meinen Teil kritisiere nicht mal diese Punkte. Im Gegenteil, mir gefällt der Gedanke, dass, egal was ich mache, egal was ich sage, das Ende unausweichlich ist. Mich hat viel mehr gestört, dass das Ende sich zieht… und zieht… und zieht! Auch schon beim Vorgänger hatte ich einen Punkt erreicht, an dem ich das Spiel einfach nur noch beenden wollte. Ich habe Nebenquests liegen gelassen und nur noch die Hauptgeschichte weitergeführt und genau so verhält es sich auch bei “Mass Effect 3″. Man hat dann irgendwann das Gefühl “Oh, jetzt kommt das Ende!” und es will einfach nicht kommen. Stattdessen muss man sich noch durch drei weitere Schauplätze mit unnötig vielen Gegnerwellen kämpfen, bevor das eigentliche Ende und somit auch der eigentliche Final-Konflikt über den Bildschirm flimmert.
Bioware hat nun auch angekündigt, den wütenden Fanbase-Mob, zu besänftigen und reicht einen kostenlosen DLC nach, der das Ende erweitern und scheinbar auch getroffene Entscheidungen einfließen lassen soll. Ob das ein sinnvoller Schritt ist oder nur das Eingeständnis, einen großen Fehler mit dem Ende begangen zu haben, werden wir morgen ausführlich in Podcast #76 diskutieren.
Allen Kritikpunkten zum Trotz hatte ich aber viel Spaß mit “Mass Effect 3″. Ziemlich genau so viel, wie mit “Mass Effect 2″. Wer also dem zweiten Teil der Saga nicht abgeneigt war, macht auf jeden Fall auch keinen Fehltritt mit diesem letzten Teil der Trilogie.

Freigabe: Freigegeben ab 16 Jahren

Systemanforderungen:
Minimale Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Microsoft Windows XP (SP3) / Vista (SP1) / 7
Prozessor: Zweikernprozessor mit 1,8 GHz
RAM: 1 GB RAM (2 GB RAM bei Windows Vista / 7)
Grafikkarte: NVIDIA 7900 oder ATI X1800 or better (256 MByte Videospeicher)
Freier Festplattenspeicher: 15 GB

Empfohlene Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Microsoft Windows XP (SP3) / Vista (SP1) / 7
Prozessor: Zweikernprozessor mit 2,4 GHz
RAM: 2 GB RAM (4 GB RAM bei Windows Vista / 7)
Grafikkarte: ATI Radeon HD 4850 oder NVidia GeForce 9800 GT (512 MByte Videospeicher)
Freier Festplattenspeicher: 15 GB

Weitere Plattformen:
- Xbox 360
- PlayStation 3

Links:
Offizielle Seite

Mass Effect 3 – E3 2011 Invasion Trailer:

Mass Effect 3 – Erde Teaser Trailer:

Mass Effect 3 – Take Earth Back:

Mass Effect 3 – Against All Odds:

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