Gerade wurde auf der E3 mit “Gears Of War: Judgment” ein Prequel zur beliebten “Gears Of War” Reihe angekündigt, die im vergangenen Jahr ihr vorläufiges Ende mit Teil 3 fand. Hier geht es jetzt aber um etwas ganz anderes: “Gears Of War – Das Brettspiel” – ja ihr habt richtig gelesen: Brettspiel! Ich habe mir die wilde Locust-Hatz aus dem Hause Fantasy Flight Games, die unter anderem auch schon “Doom” in Brettspiel-Form präsentiert haben, zu Gemüte geführt und werde euch berichten, ob es das Spielprinzip rund um die KOR und deren Kampf gegen die bitterbösen Locust-Horden auch im Offline-Spielgefilde geschafft hat.
Gleich zu Beginn eine freudige Nachricht: In diesem Spiel geht es ganz im Geiste der “Gears Of War” Spiele alleine oder im Co-Op mit maximal vier Spielern der Horde an den Kragen. Niemand muss/darf der Böse sein und dementsprechend gewinnen alle Spieler oder es verlieren eben alle gegen das Spiel. Aber ganz von vorne: Die Gruppe der Spieler übernimmt die Rolle der, aus den Spielen bekannten, KOR-Soldaten (Marcus Fenix, Augustus Cole, Dominic Santiago und Damon Baird), deren Start-Equipment und Spezialfähigkeiten über die für Fantasy Flight Games üblichen Charakterkarten vermittelt werden. Die Gruppe wählt eine Mission aus den vorgegebenen aus, woraufhin die Karte anhand der Aufbauanleitungen zur jeweiligen Quest aufgebaut wird. Hierbei ist besonders interessant, dass die Anordnung der Kartenteile zufällig gezogen wird und entsprechend bei jeder neuen Runde variieren kann. Die Aufbauanleitung gibt ebenfalls an, welche Locust-Einheiten im Spiel vorkommen können.
Danach kann es auch eigentlich schon losgehen! Jeder Spieler durchläuft in seinem Zug drei Spielphasen: In Phase eins “heilt” er sich. Das heißt, er zieht – sofern er nicht schon sein Handmaximum an Aktionskarten hält – 2 Karten nach. Die Karten dienen einerseits zum Erteilen von “Befehlen” und können als Eingriffsmöglichkeit während des Locust-Zuges angewendet werden und geben eben auch an über wie viel Restleben der Spieler verfügt oder ob er am Boden liegt und von einem Mitspieler zurück ins Spiel geholt werden muss (wie man es auch aus den Videospielen kennt).
In der zweiten Phase erteilt er “Befehle”. Er spielt also eine seiner Karten, die in der Regel aus einer Mischung von Bewegungs- und Angriffsaktionen besteht. Alternativ kann er auch eine fest vorgegebene Anzahl an Feldern weit gehen oder einen Angriff durchführen. Effektiver ist aber das Nutzen der Karten. Kommt es zu einem Schusswechsel wird gewürfelt: Der Angreifer wählt seine Waffe und die entsprechende Anzahl an Angriffswürfeln. Der Verteidiger die Abwehrwürfel. Hierbei ist entscheidend, ob er an einer der vorgegebenen Stellen in Deckung gegangen ist und ob der Angreifer auf der anderen Seite der Deckung steht oder eben nicht. In erstem Fall erhält er 2 Abwehrwürfel mehr als sein Grundwert beträgt, in letzterem nur einen. Die Differenz aus Treffern und Abwehrschilden auf den Würfeln beschreibt die Treffer. Zusätzlich enthalten die Angriffswürfel “Omen” Zeichen (das “Gears Of War” Logo), die Spezialfunktionen der Figuren und Waffen auslösen können. Bei der Wahl der Waffe haben die Spieler zusätzlich die Möglichkeit seltene Munitionsmarken auszugeben, um weitere Würfel zu erhalten und so ihren Angriff effektiver zu machen. Eine Besonderheit stellt auch das Markenzeichen der Spielreihe, der Lancer, dar. Denn – wie auch in den Spielen – ist es möglich, mit der Kettensäge anzugreifen. Hierzu muss das Ziel sich auf dem gleichen Feld wie der Spieler befinden. Es werden nur 4 Angriffswürfel geworfen. Ist ein “Omen” dabei, ist der Gegner hinüber.
Die dritte und letzte Phase aktiviert dann die Locust-Horde. Hierzu zieht der Spieler eine Karte vom “KI” Stapel. Diese gibt an, welche Locust aktiv werden und was sie tun. In der Regel greifen sie einen Soldaten in einer bestimmten Reichweite an oder bewegen sich – wenn niemand in der Nähe ist – auf den nächsten Soldaten zu. Es gibt aber auch Karten, die grundlegendes im Spiel verändern oder neue Locust entstehen lassen. So geht es immer weiter und weiter, bis die Spieler alle das Zeitliche gesegnet oder ihr aktuelles Missionsziel erfüllt haben und zum nächsten Punkt, der auch erst dann veröffentlicht wird, weitergehen dürfen.
Klingt alles recht einfach, ist aber stellenweise durchaus extrem knackig. Die Gruppe muss schon ganz ordentlich zusammenarbeiten, um die Ziele zu erreichen. Dies wurde mir vor allem in einer Solo-Runde bewusst. Die Spielregeln geben eine Variante für nur einen Spieler zwar an, aber ohne Hilfe von anderen, vor allem wenn es ums Ableben geht, wird das Ganze ziemlich heftig. Die Regeln für ein “Hardcore” Spiel habe ich erst gar nicht einfließen lassen.
Das Hauptspiel umfasst eine ganze Hand voll Szenarien inklusive dem beliebten Horde-Modus, der alten Gears-Hasen durchaus Freude bereiten wird. Inhaltlich bewegen sich die Missionen rund um die ersten beiden “Gears Of War” Spiele, die hierzulande ja leider nie erschienen sind. Es ist ebenfalls auch ein Addon erschienen, das weitere Szenarien und Spielkarten enthält und so das Hauptspiel sinnvoll erweitert.
Aber funktioniert “Gears Of War” auch als Brettspiel so gut, wie das Videospielvorbild? In meinen Augen tut es dies auf jeden Fall. Die Macher sind – wie eigentlich fast immer – mit viel Liebe zum Detail an die Sache rangegangen. Kenner der Serie können sich über fast alle Waffen und Ausrüstungsgegenstände aus den Spielen freuen. Vom Lancer bis zum Mulcher ist so ziemlich alles dabei. Auch die Locust (die auch als “leuchtende” Variante vorhanden sind) überzeugen, auch wenn ich mir einige weitere der “dicken” Locust gewünscht hätte. Hier gibt es momentan leider nur Berserker und Boomer. So der eine oder andere Brumak, der das Spielfeld füllend dahin trampelt, wäre sicher auch spaßig gewesen. Aber vielleicht kommt das ja noch in einem der zukünftigen Addons. Vor allem der Co-Op Gedanke gefällt mir sehr: In anderen Spielen, wie zum Beispiel “The Descent” (ebenfalls aus dem Hause Fantasy Flight Games) gibt es immer einen klassischen Overlord, der die Fäden der bösen Seite in den Händen hält. Hier muss die Gruppe komplett gegen das Spiel ankämpfen. Vor allem das im Grunde einfache Spielprinzip und der simple Ablauf gestalten den Einstieg in das Spiel sehr angenehm. Die Missionen sind ganz geschickt in steigende Schwierigkeitsgrade mit größer werdenden Maps (teilweise mit mehreren Levelabschnitten) und damit auch in steigende Spielzeit gestaffelt, so dass man mit einer “schnellen” Runde von 1-2 Stunden starten, aber auch in ein Hardcore-5-Stunden-Locust-Gemetzel geraten kann.
Von mir erhält “Gears Of War – Das Brettspiel” also so diverse Daumen nach oben und wer gerne Spiele mit ausufernder Spielzeit, viel Kleinkram, Spielkarten und Co-Op Action mag, sollte auf jeden Fall mal einen Blick hierauf werfen!
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