Volle Dampfkraft voraus!

SteampunkWas ist eigentlich Steampunk? Diese Frage habe ich im letzten Beitrag von mir nur mit einem Link zur Definition bei Wikipedia beantwortet. Nun möchte ich etwas mehr dazu beitragen und euch dieses wunderbare Genre näher bringen. Wenn euch Dampf und die Möglichkeit mit einem Zeppelin zum Mond zu Reisen interessieren, dann einfach weiterlesen.

Wikipedia deutet Steampunk vor allem als literarisches Genre und weniger als eine echte Subkultur ähnlich wie Gothic oder Punk oder das verwandte Cyberpunk. Mittlerweile ist Steampunk, vor allem in den USA, aber zu einer echten Subkultur gewachsen und hat seine literarischen Wurzeln zwar nicht hinter sich gelassen, aber sich zumindest davon etwas emanzipiert. Diese Wurzeln liegen, wie man sich recht schnell selber zusammenreimen kann, in den Werken von Jules Verne (20.000 Meilen unter dem Meer, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde) und H.G. Wells (Die Zeitmaschine) und ihren wunderbaren Gerätschaften die sie darin entworfen haben. Steampunk, wie der Name schon andeutet, setzt hier überwiegend auf Dampf als Hauptantriebsquelle dieser Geräte und Maschinen. Technik die damals Fiktion war und heute allerhöchstens nett anzusehen ist, wird hier mit Dampf betrieben in ein viktorianisches Zeitalter eingebettet, welches es so nicht gegeben hat.

Doch was macht nun den Flair von Steampunk aus?

Stephan H. Segal formuliert es in einem Artikel für Weird Tales so: “It’s not just cool because it’s trendy — it’s cool because it’s inspirational”. Und so ist es auch. Weiter schreibt er, dass es die Geschlechter zusammen bringt: Die eher “weibliche” Freude an den Kostümen der victorianischen Zeit in Verbindung mit der eher “männlichen” Freude an Robotern und Gadgets. Es ist ein bisschen wie Gothic ohne die Eltern zu erschrecken. Klamotten, die sich aus der Masse abheben, aber keine Vorliebe für Blut und Todeskult, sondern Taschenuhren … und wer erschreckt sich schon vor Taschenuhren?
Bruce Sterling formuliert es unter anderem wie folgt in seinem Beitrag zum Gogbot Festival: „Die Industrielle Revolution ist veraltet. So, dass Maschinen die Romantiker für satanisch hielten nun romantisch aussehen.“. Weiter geht er auch auf den Wandel vom literarischen, hin zum mehr praktisch-kulturellen ein: „Heutzutage geht es bei Steampunk nicht mehr um geschichtliche Nachahmung mit einem sciencefiction Touch, denn obwohl es interessant ist, gibt es dabei nicht so viel Platz für literarische Tätigkeiten. Steampunk ist nun beliebt geworden weil es nicht mehr nur Fiktion ist. Es ist eine internationale Entwicklung und technologisches Streben. Steampunk, eine kulturelle Gegenbewegung von Kunst und Handwerkern in der Gestalt des 21. Jahrhundert.“

Ok, das haben wir nun alles verstanden. Doch was bietet das Genre Steampunk so für mich?

Zunächst einmal ist Steampunk, wie alle anderen aktuellen Subkulturen auch, nicht auf ein „Produktsegment“ begrenzt sondern bietet neben den bereits erwähnten Texten von Verne oder Wells und anderen aktuellen Autoren auch Filme, Rollenspiele oder mittlerweile auch Musik, die es zu entdecken gibt. All diese Dinge drehen sich um Dampf, Zeppeline und Frauen in berauschenden Abendkleidern, die auf dem Mars vor schrecklichen Monstern fliehen. In den USA und in einigen europäischen Ländern gibt es Conventions zum Thema Steampunk und allem was dazu gehört. Mir ist leider noch nichts von einer Convention in Deutschland bekannt, aber das muss ja nichts heißen oder ewig so bleiben. Ich persönlich interessiere mich vor allem für den rollenspielerischen Aspekt und natürlich den literarischen Bereich, mit einigen wenigen Filmen.
Gerade im Bereich der Rollenspiele hat sich im Moment einiges zu diesem Thema getan und es scheint als könnte hier eine kleine Welle von Produkten auf uns zukommen. Der Uhrwerk-Verlag, eine Art „Unterlabel“ von Ulisses Spiele, hat sich letztens dahin geäußert, dass sie momentan an einer deutschen Ausgabe des Steampunk RPG Klassikers „Space 1889“ sitzen. Und das, meine Freunde, sind wahrlich gute Neuigkeiten. Das bereits veröffentlichte finale Cover für das Grundregelwerk sieht bereits irre gut aus und macht Lust auf mehr. “PMOG” hatten wir die Tage bereits als Onlinevariante erwähnt und ach “Opus Anima” hat viele Gemeinsamkeiten zum Steampunk Style aufzuweisen. Wer mag, kann kostenlos das Regelwerk von “Opus Anima” auf deren Webseite herunterladen und testen, ich kann es nur empfehlen.

Wer nun so langsam eine Ahnung bekommt, um was es sich bei Steampunk handelt, der sei an den etwas floppigen „Wild Wild West“ Streifen mit Will Smith erinnert. Somit wären wir auch bei Filmen angekommen. Hier kann ich nur auf die wirklich guten Verfilmungen einiger Jules Verne Romane hinweisen. “20.000 Meilen unter dem Meer” oder “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde” sind sehr schön anzusehen und es gibt mittlerweile einige Verfilmungen davon zu bestaunen. “Die Zeitmaschine” wurde auch mehrfach verfilmt und ist meistens einen Blick Wert. Im Jahre 2000 kam eine recht kurzlebige Serie mit dem Namen „The Secret Adventures of Jules Verne“ heraus, die man leider heutzutage nur dank der Hilfe von Aethernetzpiraten auf der ganzen Welt genießen kann.

So, dies war mein kleiner Beitrag zum Thema Steampunk in all seinen Ausprägungen. Ich hoffe ich konnte euch etwas an Material an die Hand geben, um die langen Winterabende nun sinnvoll vor dem Rechner oder auf dem Sofa zu verbringen. Schaut bei Interesse am Thema öfter jetzt im Monat hier auf der Seite vorbei, da ich sicherlich noch etliche Interessante Sachen zum Thema hier reinstellen werde.
Zum Abschluss, und bevor ich hier mich noch in einer riesigen Textwüste ergehe, möchte ich euch noch einen kleinen aber sehr feinen Kurzfilm ans Steampunkherz legen. “The Mysterious Explorations of Jasper Morello” ist ein Animationsfilm von Anthony Lucas, und erzählt in wunderbaren Bildern eine schaurig-schöne Geschichte.

Links:
Clockworker
Steampunkmagazine
Spiegel-Online Artikel

The Mysterious Explorations of Jasper Morello:

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