Sucker Punch (Podcast: Film-Review)

Auf der Comic-Con in San Diego präsentierte Zack Snyder 2010 die ersten bewegten Szenen seines Films “Sucker Punch”. Dort sahen wir Damen in ungewöhnlich leichter Kriegsmontur wild um sich schießend durch Schützengräben stürmen, einen fliegenden Mech der Zeppeline und Flugzeuge vom Himmel holt, eine Schwert schwingende und akrobatisch in Szene legende Babydoll und einen riesigen Drachen der Feuer speit. Nach den wenigen Minuten des ersten Trailers war klar, dass hier nach den recht gelungenen Verfilmungen der Comics “300″ und “Watchmen”, die vor allem durch ihren Look und ihre Effekte in Erinnerung geblieben sind, ein weiterer Augenschmaus und eventuell auch ein möglicher Filmhit ansteht. Seit dem 31.03.2011 kann “Sucker Punch” mit seinen weiblichen Heldinnen nun auf der großen Leinwand bestaunt werden. Begeistert von den Trailern im Vorfeld haben auch wir uns in den Kinosessel gezwängt und uns den Film angeschaut. Was wir dann zu sehen bekamen und wie es zumindest mir gefallen hat erfahrt ihr nach dem Sucker Klick!


Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus der 55. Folge des Babbel-Net Podcast!

Wir schreiben das Jahr 1950 und dieses wird für die junge Dame mit dem Spitznamen Babydoll durch mehrere unschöne Schicksalsschläge überschattet. Der Tod ihrer Mutter führt Babydoll und ihre jüngere Schwester zu ihrem gesamten Besitz und treibt den leer ausgehenden Stiefvater zur Weißglut, die der jüngeren Schwester das Leben abverlangt. Um den letzten Zeugen seiner Tat Mundtot zu machen und an den vererbten Besitz zu gelangen, weist er Babydoll ins Lennox Haus für Geisteskranke ein und setzt den Krankenträger Blue Jones darauf an die Durchführung einer Lobotomie zu beschleunigen. Im großen Aufenthaltsraum der Anstalt sieht Babydoll, wie die leitende Ärztin Dr. Vera Gorski eine ihrer Patientinnen mit Musik therapiert. Beim Erklingen der Musik soll sie alles um sich herum vergessen und sich fallen lassen, um in die in Gedanken entstehende Welt einzutauchen und sie kontrollieren zu können. Diese Methode macht sich Babydoll zur nutze und taucht auf Dauer in ihre eigene Traumwelt ab, damit sie ihr Dasein an diesem Ort besser erträgt. So erstrahlt die Nervenanstalt als Bordell im neuen Glanz und dadurch auch ihre Bewohner. Mit Babydolls ersten musikalischen Therapiesitzung mit Dr. Vera Gorski, die in ihrer dauer Traumwelt im Bordell als hypnotisierender Tanz dargestellt werden, flüchtet sie träumend in eine zweite Traumwelt in der sie den Gedanken zur Flucht manifestiert und später in allen drei Ebenen (Realität, Traumwelt #1 und #2) mit Hilfe ihrer Leidensgenossinnen Sweat Pea, Rocket, Blondie und Amber diese in die Tat versucht umzusetzen. Auf dem Weg durch die langen Gänge des Etablissements erblickt Babydoll mit einer Karte, einem Feuerzeug, Messer und Schlüssel vier Gegenstände, die wichtig für eine ersehnte Flucht sind. Während sie in den Sitzungen (Realität) / Tänzen (Traumwelt #1) die Aufmerksamkeit der Leitung und Aufsicht auf sich zieht, sorgen die restlichen Damen dafür die wichtigen Gegenstände zu stehlen. In Babydolls zweiter Traumwelt werden diese Diebeszüge in spektakulären Actionszenen mit Zombie Soldaten im zweiten Weltkrieg, mit Rittern und einem Drachen im Mittelalter und mit Robotern in einer fernen Zukunft dargestellt. Dabei bleibt den Damen egal in welcher Welt sie sich befinden nicht viel Zeit, denn Babydolls Lobotomie steht in fünf Tagen an.

Das hört sich nicht so ganz nach der Actionorgie an, die uns die Trailer präsentiert haben und mit dem man als Zuschauer gerechnet hat. Ja, dass stimmt und das muss man dem Film bzw. dem Marketingapparat dahinter negativ anrechnen. Denn der Film versprach in den Trailern und Postern viel Action, aber dabei stellen die Actionsequenzen wie die oft gezeigte Szene im zweiten Weltkrieg nur einen Bruchteil des Films dar. Auch ich bin mit den durch die Trailer erzeugten Erwartungen in den Film gegangen und muss schon zugeben, dass ich nicht das gesehen habe, womit ich anfangs gerechnet habe. Dennoch war ich überrascht über die Tatsache, dass die Actioneinlagen samt musikalischer Untermalung als Stilmittel verwendet wurden, um die doch recht “simplen” Diebeszüge der Damen aufzupeppen und spektakulär als Musikvideo artige Sequenzen im Film zu verpacken. Ein dauerhaftes Szenario in Babydolls zweiter Traumwelt hätte mir da deutlich besser gefallen, da vor allem dort Zack Snyder wieder fantastische Welten bzw. Schlachtfelder erschaffen hat, die Lust auf mehr machen. Sei es das feudale Japan im Schnee mit dämonischen Samurais, die zweiten Weltkriegsgräben mit den Deutsch sprechenden Zombie Soldaten, eine mittelalterliche Burg mit Rittern und schlafenden Drachen oder ein futuristischer Zug überfüllt mit Robotern, genau an diesen Orten setzt Snyder seine Actionsequenzen in Szene. Zwar darf man hier auch nicht das größte Bombastfeuerwerk erwarten, aber die Szenen sorgen dennoch für Abwechslung in einer Geschichte, die ohne diese träumerischen Momente keine Höhepunkte vorweisen und nur so vor sich hin plätschern würde.
Ein wenig chaotisch wirkt das ewige Hin und Her von der Realität in die beiden Traumwelten. Denn als Zuschauer bekommt man je nach Abschnitt nur eine der Welten zu sehen und man muss sich denken, wie einer der erträumten Tänze von Babydoll aussieht bzw. was sie währenddessen in der realen Welt tut oder wie ihre Kolleginnen in dieser an die fehlenden Gegenstände gelangen. Die ständig aufkommenden Fragen was nun wo wie von statten geht zieht sich von Beginn an durch den Film und lässt darauf hoffen am Ende eine wirkliche Auflösung dazu zu bekommen, aber diese bleibt leider aus. Hier wirkt der Film nicht so ganz durchdacht und man stellt sich die Frage, warum man diese Wechsel nicht weggelassen hat, um die Geschichte direkt in nur einer Welt mit allem drum und dran zu erzählen? Wir werden es wohl nie erfahren.

Trotz alledem finde ich “Sucker Punch” recht interessant und würde ihn im Ganzen in einem noch guten mittleren Bereich einordnen. Das liegt ganz klar an der visuellen Arbeit Snyders mit all den traumhaften Szenerien, die alle aus Konzeptzeichnungen für Filme und Videospiele stammen könnten und man so in der Mixtur noch nie in einem Film oder Spiel gesehen hat. Dazu kommt der auf den Punkt abgestimmte Soundtrack, der mit Björk, Skunk Anansie, Emilíana Torrini, Queen oder Alison Mosshart (The Kills und The Dead Weather) und Songs wie Jefferson Airplanes “White Rabbit”, dem Beatles Song “Tomorrow Never Knows” und einem Mash-Up aus Queens “I Want It All” und “We Will Rock You” daher kommt und die akrobatischen Kampfszenen der Damen sowie andere Segmente des Films wie Musikvideos erscheinen lässt. Dieser Eindruck gibt dem Film in meinen Augen den merkwürdig erscheinenden Touch eines Musicals, da sich die Musikpassagen stetig mit Storymomenten abwechseln. Keine Panik auch wenn Teile des Casts auf dem Soundtrack neben den bereits genannten Künstlern selber ins Mikro trällern, muss man hier nicht mit echten Musical Gesangseinlagen rechnen und plötzlich eintretender und völlig überzogener Freude oder Trauer. Die Idee des Traum-Traums ist, auch wenn es letzten Endes zu leichten Verwirrungen geführt hat, an sich auch gar nicht mal so übel und erinnert mich an Klassikern wie “Alice im Wunderland” oder “Der Zauberer von Oz”, wo die Hauptfigur ihr bekanntes Umfeld mit in ihre Traumwelt übernimmt. Ich werde zwar immer noch nicht das Gefühl los, dass hier nur Teile des geplanten Projekts “Sucker Punch” abgeliefert wurden und alles irgendwie zu kurz kommt oder mit angezogener Handbremse präsentiert wird, aber mir reicht das Gesamtpaket völlig aus, um halbwegs “zufrieden” zu sein. Der Film ist visuell sicherlich ein Highlight und sollte mal gesehen werden. Nur sollte man dabei bedanken, dass die Handlung keinen vom Stuhl haut, stellenweise Fragen aufwirft, für Verwirrung sorgt und nur durch die Action lastige Traumwelt #2 ein paar Höhepunkte liefert. Ein wenig Mehr von allem, sowie ein geordneter Einblick in die Geschehnisse aller drei Ebenen, hätten dem Film sicherlich gut getan und einen besseren Eindruck hinterlassen. Der Rest ist halt wie immer Geschmackssache und ich mein wenn die einen “Paranormal Activity” oder “Avatar” gut finden dürfen, dann darf ich doch auch “Sucker Punch” auf meine Art und Weise mögen oder etwa nicht?

Es bleibt nur zu hoffen, dass die bereits erwähnte Irreführung durch Trailer und sonstigem Promomaterial künftig ausbleibt, denn das war in diesem Fall wirklich ein No Go für den zahlenden und letzten Endes enttäuschten Kinobesucher.


Laufzeit: 110 Minuten

Freigabe: Freigegeben ab 16 Jahren

Cast:
Emily Browning (Babydoll)
Abbie Cornish (Sweet Pea)
Jena Malone (Rocket)
Vanessa Hudgens (Blondie)
Jamie Chung (Amber)
Carla Gugino (Dr. Vera Gorski)
Oscar Isaac (Blue Jones)
Jon Hamm (High Roller / Doctor)
Scott Glenn (Wise Man)

Links:
Offizielle Seite

Sucker Punch – Trailer:

Sucker Punch – Featurette #1:

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