“Saw you stretched out in Room Ten O Nine
With a smile on your face and a tear right in your eye. Oh, couldn’t see to get a line on you, my sweet honey love.”
Normalerweise bin ich ja kein wirklicher Freund der rollenenden Steine, doch da ich den Eintritt ins Kino nicht zahlen brauchte und Martin Scorsese mir als Regisseur durchaus zusagt, hatte ich die Möglichkeit zum ersten Mal einen Konzertfilm im Kino zu sehen.
Nun ja, ich muss sagen, dass ich mir doch etwas anderes vorgestellt habe, als das was ich dann zu sehen bekam. Leicht naiv, wie ich nun mal bin, ging ich davon aus, einen Film über den Auftritt der Rolling Stones am 29. Oktober 2006 im Beacon Theatre in New York zu sehen zu bekommen. Ich erwartete Interviews mit den Musikern im Vorfeld des Auftritts und Szenen von den Proben und dem Konzert selber. Ha, falsch gedacht! Scorsese hat hier (für ihn zum ersten Mal) mit etlichen HD-Kameras den Auftritt aufgenommen und gekonnt die Bilder abgemischt. Ok, man sieht im Vorfeld des Konzert etwa 10 Minuten die Vorbereitung des Auftritts und wie Jagger und Co. Bill Clinton und den ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten Aleksander Kwasniewski begrüßen, oder sich überlegen welche Lieder man denn diesmal spielen könnte.
Zu diesem Zeitpunkt war ich eigentlich recht zufrieden mit diesem Film.
“Berber jew’lry jangling down the street,
Make you shut your eyes at ev’ry woman that you meet.
Could not seem to get a high on you, my sweet honey love.”
Doch, als das Konzert beginnt und die Lightshow auf der Bühne mir selbst im Kino fast die Augen ausbrennt, ich Mick Jagger in supersupersuper HD sehen kann (muss?) und man doch recht schnell merkt wie alt die Jungs mittlerweile geworden sind, schwindet meine anfängliche Begeisterung dahin.
Bereits beim zweiten Song fällt auch dem blinden und tauben Fanboy auf, dass die alten Herren etwas von ihrer Magie verloren haben. Keith und Ronnie sind nicht immer im Takt und Jagger singt mehr Laute als Worte zu artikulieren. Einzig Drummer Charlie Watts und der Rest der Backup-Band machen ihren Job wirklich gut. Scorsese setzt diese auch recht häufig, meist in Person von Sängerin Lisa Fischer, ins Bild und erzeugt auf der kleinen Bühne des Beacon Theatre gekonnt die Illusion einer großen Stadionbühne.
“May the good Lord shine a light on you,
Make every song you sing your favorite tune.
May the good Lord shine a light on you,
Warm like the evening sun.”
Nachdem die Stones drei Gastmusiker auf die Bühne geholt haben (Christina Aguilera, Buddy Guy und Jack White von den White Stripes) und einen Großteil der Konzerts hinter sich gebracht haben hat man doch auch einige Filmschnipsel aus der langen Geschichte der Rolling Stones gesehen. Diese arbeitet Scorsese zwischen einige der Songs ein und spannt so immer wieder den Bogen von Früher zum Jetzt, interessant! Dem Stones unkundigen Zuschauer (ich zum Beispiel) helfen diese kleinen Ausschnitte aus Interviews der letzten 40 Jahre dann auch gut, die einzelnen Mitglieder der Band näher kennen zu lernen.
“When you’re drunk in the alley, baby, with your clothes all torn
And your late night friends leave you in the cold gray dawn.
Just seemed too many flies on you, I just can’t brush them off.
Angels beating all their wings in time.”
Kurz vor Schluss kommt dann auch so richtig Stimmung auf, die Stones geben Gas und spielen Lieder mit deutlich mehr Drive. So einfach geht das also, hm. Mittlerweile haben sich die alten Herren auch warm gespielt und klingen nicht mehr so „neben der Spur“ wie noch zu Beginn des Konzerts. Mir als Nicht-Stonesfan gefällt der Auftritt / der Film nun auch richtig gut und beginne schon fast mitzusingen. Zum Glück fällt mir dann noch rechtzeitig ein, dass ich im Kino sitze und leider nicht dort vor der Bühne, schade. Dies ist dann auch die große Stärke des Films, in meinen Augen. Scorseses Einsatz von HD-Kameras ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, gefällt mit Fortschreiten des Konzerts immer mehr. Die vielen Kameraeinstellungen gehen mit der Zeit sehr flüssig ineinander über und man fühlt sich wie in einem Konzert, nur dass man sitzt und nicht mitsingen kann.
“With smiles on their faces and a gleam right in their eyes.
Whoa, thought I heard on sigh for you,
Come on up, come on up, now, come on up now.”
Nach knapp zwei Stunden ist das Konzert dann auch wieder vorbei und man schaut sich noch die Credits an um wieder etwas in der Realität anzukommen.
Hat es denn jetzt gefallen oder war es doch nur ein besseres Musikvideo?
Mein Urteil ist etwas zwiegespalten. Einerseits sieht man als Fan einige nette Filmaufnahmen aus der bewegten Bandgeschichte der Rolling Stones und kriegt ein durchaus gelungenes Konzert in sehr guter Bildqualität geboten. Andererseits ist es mir persönlich dann doch zu viel Konzert und zu wenig Doku. Ich habe einfach etwas „mehr“ erwartet als nur die paar nette Momente vor dem Konzert und die Interviews zwischen den Songs.
Wem kann diesen Film denn nun empfehlen?
Ich denke langjährige Fans der Band oder aber auch Leute die gerne mal ein Stones Konzert besuchen möchten, aber die Preise nicht mögen, können hier bedenkenlos zugreifen. Menschen die definitiv nichts mit Stones anfangen können, tja, für die ist der Film eigentlich nichts.
“May the good Lord shine a light on you,
Make every song you sing your favorite tune.
May the good Lord shine a light on you,
Warm like the evening sun.”
Fazit:
Auf meiner persönlichen Filmskala kriegt dieses Werk von Scorsese eine glatte 3. Es ist halt ein Film für Fans und auch eigentlich nur für diese.
Laufzeit: 122 Minuten
Freigabe: ![]()
Im Film vorkommende Lieder:
01. Jumpin’ Jack Flash
02. Shattered
03. She Was Hot
04. All Down the Line
05. Loving Cup – mit Jack White
06. As Tears Go By (Mick Jagger/Keith Richards/Oldham)
07. Some Girls
08. Just My Imagination (Norman Whitfield/Barrett Strong)
09. Far Away Eyes
10. Champagne & Reefer (Muddy Waters) – mit Buddy Guy
11. Tumbling Dice
12. You Got the Silver – gesungen von Keith Richards
13. Connection (unvollständig) – gesungen von Keith Richards
14. Sympathy for the Devil
15. Live With Me – mit Christina Aguilera
16. Start Me Up
17. Brown Sugar
18. (I Can’t Get No) Satisfaction
19. Paint It Black
20. I’m Free
21. Little T&A
22. Shine a Light (unvollständig; über dem Abspann zu hören)
Links:
offizielle Filmseite
Website der Rolling Stones
Stones & Scorsese – Shine A Light:
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