John Carter – Zwischen zwei Welten (Podcast: Film-Review)

Die Zeiten in denen auf der Leinwand in einem Sci-Fi Setting ferne Welten, Planeten oder Galaxien bereist wurden sind mittlerweile auch schon eine Weile her. Die Reise zum Mond in “Moon” liegt bereits drei Jahre zurück, genauso wie der letzte Aufenthalt auf der USS Enterprise in “Star Trek“, wo man ja fast durchweg an Bord unterwegs war. Der letzte richtige Abenteuertrip durch die Galaxie samt Besuch anderer Planeten und dem Treffen außerirdischer Wesen war doch, wenn ich mich jetzt nicht täusche, “Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith” aus dem Jahre 2005. Ok, es gab da noch das Remake vom “Kampf der Titanen” (2010), aber das war kein Sci-Fi Streifen, sondern ein reiner Fantasy Film und “Green Lantern” gab es nicht! Somit gab es seit sieben verdammt langen Jahren keinen Film mehr, der versucht hat eine abenteuerliche Geschichte auf einem fernen Planeten mit fremden Wesen zu erzählen und auf die Leinwand zu bringen. Mit Disneys Versuch Edgar Rice Burroughs Roman “Die Prinzessin vom Mars” (1912) in Filmform in die Kinos zu bringen, hat das lange Warten nun endlich sein Ende gefunden. Zwar hat Disney selbst das Regiedebüt von Andrew Stanton (Wall-E, Findet Nemo) mit seiner undurchdachten Werbemaschinerie (Actionfiguren und Co) als reines Verlustgeschäft angesehen und somit auch zum Flop erklärt, aber ich erzähle euch gleich warum dieser Film keineswegs ein Flop ist und vor allem die Herzen der Sci-Fi Fans hier wieder höherschlagen werden. Mehr dazu nun nach dem Klick ins Abenteuer von John Carter. Wurde ja auch echt Zeit, Mensch.


Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus der 76. Folge des Babbel-Net Podcast!

Während John Carters Suche nach Gold in Arizona im Jahre 1868 gerät er zwischen die Fronten der siebten Kavallerie und den Ortsansässigen Apachen-Indianer. Um diesem zu entgehen flüchtet sich Carter samt seinem schwer verwundetem Verfolger, Colonel Powell, in eine unscheinbare Höhle. Dort angekommen wird er nach einem Angriff eines Fremden durch sein Amulett und seinen letzten Worten auf den Mars (Barsoom) telegrafiert. Wie schon auf der Erde gerät er auch dort wiedermals zwischen die Fronten, denn auf dem Mars herrscht seit tausenden von Jahren ein Krieg zwischen den Städten Helium und Zodanga in den sich auch die grünen, vierarmigen Tharks und die sonderbaren Therns einmischen. In all dem Chaos, wo jede Seite ihre eigenen Ziele vor Augen hat, muss Carter nun alles daran setzen, um dem Krieg ein Ende zu setzen und die Rückkehr auf die Erde zu ermöglichen.

Auch wenn “John Carter – Zwischen zwei Welten” in den Staaten nur wenige in die Kinos gelockt und dann vom Stuhl gehauen hat, braucht man hier überhaupt nicht davon zu sprechen, dass der Film ein wahrlicher Flop geworden ist, den man am besten ignorieren sollte. Der Streifen hat seine Produktionskosten von 250 Millionen Dollar bereits eingespielt und wird sicherlich durch die anstehenden DVD Verkäufe noch einiges Mehr in die Kassen spülen. Natürlich ist “John Carter – Zwischen zwei Welten” jetzt kein Zugpferd wie es “Star Wars” oder “Star Trek” mittlerweile sind, aber der Film bringt endlich wieder einen neuen Schwung in ein Genre, dass in letzter Zeit nur als Nebengenre in Filmen wie “Attack The Block” (2011) oder “Paul – Ein Alien auf der Flucht” (2011) herhalten musste oder durch schlechte bis nicht wirklich ernst gemeinte Vertreter wie “Predators” (2010) oder dem kürzlich angelaufenen “Iron Sky” am Leben erhalten wurde. Anstatt eine plumpe Alienhatz oder eine reine Bordschlacht zu erzählen, springen wir gemeinsam mit Edgar Rice Burroughs Romanfigur John Carter in ein spannendes Abenteuer, dass einen auf Entdeckungsreise zum Mars entführt. Einen Ort jenseits überdesignter Technologien und überbevölkerten Metropolen, deren Gebäude bis zur Unendlichkeit in die Höhe ragen. Hier macht der Wüstenplanet immer noch seinen Name alle Ehre und erinnert mit einem in einen Berg gemeißelten Colosseum, den zahlreichen Ruinen und kleinen Siedlungen und den Städten Helium und Zodanga an eine Mischung aus “Waterworld” (1995), “Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel” (1985) und dem “Star Wars” Universum.
So trist das nun klingen mag, es tut der aufkommenden Stimmung keinen Abbruch und selbst die recht schlichte Auswahl an Waffen, die durchweg aus Schwertern oder normalen Schusswaffen besteht, und die nur bei Tageslicht fliegenden, libellenartigen Luftschiffe samt ihrer vielen Zahnräder reißen einen nicht aus dieser Welt. Ich weiß zwar nicht wie genau man sich hierbei an Burroughs Vision von Barsoom gehalten hat, aber mich haben diese Elemente noch mehr in das Universum von John Carter hineingezogen. Vor allem den Eindruck zu haben einen Sci-Fi Streifen aus einer aus dem Jahre 1912 stammenden Sichtweise zu erleben macht einen Teil des Reizes an diesem Film aus.
Natürlich erzählt der Film mit einem Konflikt aus vier unterschiedlichen Völkern dessen Ende herbeigerufen werden soll, einer Prinzessin die gerettet werden muss und einem Helden der zwischen die Fronten geraten ist keine wirklich neue Geschichte, die man nicht schon hier und da in abgewandelter Form bereits gesehen hat, aber Regisseur Andrew Stanton weiß wie man die Handlung schmackhaft in Szene setzt. Neben zahlreichen Actionszenen in denen selbst für USK 12 Verhältnisse Szenen zu sehen sind, die man sich sonst immer bei Filmen für ein älteres Publikum gewünscht hat und nun hier endlich mal in die Tat umgesetzt wurden, lässt Stanton genug Raum für lustige Momente, um das Hin und Her der actionlastigeren Szenen ein wenig aufzulockern. Genau diese Szenen wecken Erinnerungen an die “Indiana Jones” Reihe und machen das Zusammenspiel zwischen Carter und seinen animierten Begleitern ein wenig menschlicher und gibt den ohnehin schon recht real wirkenden, vierarmigen Bewohnern des Planeten deutlich mehr an Charakter. Vor allem hier beweist Stanton, dass er ein Mann vom Fach ist und vor allem für Animationen und visuelle Effekte ein gutes Auge hat. So wirken die gerade angesprochenen Tharks und andere Kreaturen nicht nur realer als Genrekollege Jar Jar Binks und dazu passender zum Setting, sondern auch die Luftschiffe laden zum Staunen ein, während sie durch die Lüfte gleiten. Einziges Manko, dass ich recht störend empfand in Sachen Effekte waren Carters Sprungeinlagen, die er durch seine neuen Kräfte auf dem Mars vollzieht und übertrieben einem Flummi ähneln. Hier hätte man sich weniger an “Flubber” (1997) orientieren und ein wenig mehr auf die Bremse treten sollen.
Was die Schauspieler angeht bietet der Film mit Taylor Kitsch, Lynn Collins, Willem Dafoe, Mark Strong, James Purefoy und Bryan Cranston ein starkes Aufgebot mit Rang und Namen an, dass leider je nach Rolle überbesetzt wurde und nur wenige Momente erhält sich wirklich zu präsentieren. Allein Taylor Kitsch bekommt mit seinen recht spärlich gesäten Dialogen wenig Chancen sich als Held wirklich durchzusetzen und wirkt dadurch ein wenig hölzern. Dagegen nutzen James Purefoy und Bryan Cranston ihre recht kurzen Szenen dazu, um direkt von Beginn an zu überzeugen und den Wunsch nach mehr Screentime beim Zuschauer zu wecken. Das ist zwar schade, aber stört nicht wirklich. Wesentlich störender sind da die Namen der einzelnen Rollen der Marsbewohner. Namen wie Dejah Thoris, Tars Tarkas, Tal Hajus, Matai Shang, Tardos Mors, Sab Than und Kantos Kan muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen und selbst dann wird man sie nicht wirklich im Kopf behalten und auseinander halten können. Ich konnte dem Namensgewusel leider nie wirklich folgen und verlor dabei den Überblick von wem gerade die Rede war, aber das muss man Edgar Rice Burroughs ankreiden und nicht dem Film, der sich an seinem Werk orientiert.

Im Ganzen muss man zugeben, dass Andrew Stanton nun nach drei reinen Animationsfilmen ein sehr gelungenes und unterhaltsames Regiedebüt mit echten Schauspielern hingelegt hat und sich den Vergleichen mit den Genregrößen nicht scheuen muss. Zwar wirft man ihm vor viele Szenen und auch Teile der Handlung aus bereits bekannten Filmen kopiert zu haben, aber das ist kein Wunder bei einer Vorlage, die aus dem Jahre 1912 stammt und als Inspirationsquelle für geradeeben die Filme verwendet wurde mit denen “John Carter – Zwischen zwei Welten” nun verglichen wird. Selbst wenn die erzählte Geschichte mittlerweile nicht mehr so frisch und neu wirkt und schon in anderen Filmen ähnlich oder abgeändert wiedergegeben wurde, kam niemals der Gedanke auf hier eine Aneinanderreihung kopierter Szenen und Momente zu sehen. “John Carter – Zwischen zwei Welten” ist ein spannendes Sci-Fi Abenteuer mit sehr guten Schauspielern, tollen Effekten, hurmorvollen Momenten und einer Welt in die man trotz dem Settings auf dem Wüstenplaneten gerne abtauchen möchte. Für jeden Sci-Fi Fan ein definitiver Tipp, denn man mal gesehen haben sollte.

Laufzeit: 132 Minuten

Freigabe: Freigegeben ab 12 Jahren

Cast:
Taylor Kitsch (John Carter)
Lynn Collins (Dejah Thoris)
Samantha Morton (Sola)
Willem Dafoe (Tars Tarkas)
Thomas Haden Church (Tal Hajus)
Mark Strong (Matai Shang)
Ciarán Hinds (Tardos Mors)
Dominic West (Sab Than)
James Purefoy (Kantos Kan)
Bryan Cranston (Colonel Powell)

Links:
Offizielle Seite

John Carter – Trailer (Deutsch):

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