Anders als “Batman Begins” und auch “Batman: The Dark Knight“, hat sich “Inception” fast schon heimlich bis zu seinem Starttermin vor einigen Wochen versteck gehalten. Natürlich gab es vorher die übliche PR-Maschinerie, doch wurde mir erst so richtig bewusst, dass Christopher Nolan einen neuen Film am Start hat, als der erste Trailer im Netz auftauchte. Ergänzend zu unserem Podcast Spezial: Inception gibt es nach dem Klick eine etwas ausgiebigere Zusammenfassung meinerseits zum Film.

Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus dem Kinospezial zu “Inception” des Babbel-Net Podcast!
Da wahrscheinlich eh jeder durch TV, Radio, Kollegen oder unser Podcast Spezial ungefähr weiss wovon der Film handelt, werde ich weniger zimperlich mit Spoilern umgehen. Ihr seid also gewarnt.
Inhalt:
Leonardo DiCaprio spielt Cobb, einen Extractor. Dies sind Menschen die über künstlich herbeigeführte Träume in die Gedanken anderer Menschen eindringen und dort die tiefsten Geheimnisse entwenden. Cobb und sein Partner Arthur betreiben damit eine sehr spezielle Form der Wirtschaftsspionage. Nachdem bei ihrem letzten Job leider nicht alles nach Plan verlief, ergibt sich für Cobb unverhofft die Möglichkeit wieder zu seiner Familie in die USA zurück zu kehren. Ihr neuer Auftraggeber, Saito, verspricht ihm, die Anklage für den Mord an seiner Frau tilgen zu können und ihm so die Rückkehr zu seinen beiden Kindern zu ermöglichen, wenn er und Arthur einen ganz speziellen Job übernehmen. Sie sollen diesmal keine Daten stehlen, sondern einen Gedanken in das Gehirn von Saitos Konkurrenten einpflanzen.
Um die schwierige Aufgabe in Angriff nehmen zu können, sucht Cobb noch weitere Spezialisten auf. So braucht es einen guten „Architekten“ der das Grundgerüst der Traumwelten erschafft, einen Chemiker um die Droge zu erstellen mit der man gemeinsam Träume erlebt und einen Fachmann für Fälschungen. Um sicher zu gehen, dass Cobb auch nicht vor hat ihn zu hintergehen, wird Saito ebenfalls Mitglied des Teams.
Für ihr Opfer, Robert Fischer, ersinnen sie einen komplizierten Plan mit verschachtelter Traumstruktur, ein Traum in einem Traum, die bewirken soll, dass der Gedanke einer Firmenspaltung sich tief in Fischers Unterbewusstsein verankert. Je weiter sie jedoch vordringen mit ihren Vorhaben, desto gefährlicher wird Cobb selber für das Team, da ihn die „Erinnerung“ an seine Frau Mal in seinem – und somit ihrem gemeinsamen – Traum verfolgt und bedroht.
Fazit:
Seit ich im Trailer gesehen hatte, wie ein ganzer pariser Straßenzug sich zusammenklappt, war dieser Film ganz weit oben auf meiner Filmliste für dieses Jahr. Es brauchte nicht viel um mich für Nolans neuestes Werk zu begeistern: Ein kurzer Blick auf die beteiligten Schauspieler – Caine, Murphy, Hardy, Gordon-Levitt, Watanabe – sowie Christopher Nolan auf dem Regiestuhl und verantwortlich fürs Drehbuch reichten aus. Die Tatsache, dass sich bereits im Trailer eine stilistische Ähnlichkeit zu Nolans Batmen zeigte, war meinem Interesse auch nicht abträglich.
Nachdem ich nun den Film gesehen habe, bin ich absolut zufrieden mit meiner Entscheidung volle 8€ für eine Kinokarte ausgegeben zu haben. Gerne hätte ich ihn auch in einem IMAX gesehen, doch findet sich in sinnvoller Nähe hier keins. Auch ohne IMAX lohnte sich der Eintritt ins Kino, denn Nolan zaubert wie auch schon in seinen Batman Filmen wirklich tolle Bilder auf die Leinwand. Wer die Kamerafahrten über Gotham City oder von Hong Kong im zweiten Batman auch so berauschend fand, wird gerade hier sehr begeistert sein. Immer wieder sieht man diese breit angelegten Luftbilder der Traumlevel und ihrer Architektur. Das ist übrigens ein gutes Stichwort um über diesen Film zu reden. Diese spielt eine sehr zentrale Rolle im Film. Über die Figur der Architektin Ariadne wird die Architektur nicht nur atmosphärisches Mittel, sondern rückt direkt ins Zentrum der Handlung, wenn es darum geht die Traumlevel zu planen und zu konstruieren. Neben der ganz banalen Eigenschaft der Funktionalität wird aber auch im Film selber ganz offen über die unterbewusste atmosphärische Wirkung von Architektur auf den menschlichen Geist gesprochen. Unterhaltsamerweise reden Cobb und Ariadne in diesen Momenten nicht nur vom Geist des Träumers der damit beeinflusst wird, sondern auch von dem des Zuschauers. Überhaupt ist der Zuschauer viel näher an der Figur des Robert Fischer dran als man es anfänglich denkt. Genau wie Fischer der „Mark“ der Truppe um Cobb ist, der durch ein labyrinthartigen Traum geführt wird um am Ende etwas ganz spezielles zu empfinden, ist der Zuschauer das Ziel von Nolan und seinem Team, welche seinerseits versuchen mit ihrem Labyrinth aus Parallelmontagen ein Gefühl im Kinogänger auszulösen. So empfand ich den ganzen Film als eine wunderbare Studie über die magischen Momente des Kinos, in denen Zuschauer vollkommen in der Filmwelt aufgehen und diese schwierige Barriere der Immersion überschritten wird. Das beste Beispiel dafür ist eine der Spielregeln in der Traumwelt. Bereits früh im Film lernt die neue Architektin Ariadne einen Nebeneffekt des gemeinsamen Träumens kennen: die Grenze zur Realität. Da die erdachten Traumwelten nahezu perfekt sein können, ist es schwierig, sich klar zu werden, wie diese sich von der Realität unterscheiden. Cobb verrät ihr, dass ein einfaches Mittel zur Beantwortung dieser doch wichtigen Frage, die Frage nach dem Anfang ist. Denn wie normale Träume, beginnen auch diese speziellen Träume mehr in der Mitte, weshalb man sich auch nicht erinnern kann wie man zum Anfang eines bewussten Traumes gelangt ist. Was diese Unterhaltung für den Zuschauer so interessant und gleichzeitig so verhängnisvoll macht ist der Filmschnitt. Cobb erklärt Ariadne diese Lektion in einem Café, nachdem in der vorherigen Szene, bzw. vor dem Schnitt etwas anderes passierte. Der geübte Kinogänger wird also gefoppt indem er die Lücke in der Erzählung gewohnt selber auffüllt. Denn wie Ariadne hat er kein Wissen darüber wie beide Figuren zu diesem Ort gelangt sind, bis es sich aufklärt. Ist diese Erkenntnis erstmal kommuniziert, führt sie zu einem Hinterfragen jeder Szene auf der Leinwand durch den Zuschauer. Wie kann man also sicher sein, als Zuschauer Realität und Traum im Film, aber auch Film und Kinoerlebnis sauber trennen zu können? Gar nicht.
Gerade dieser Punkt gefiel mir im Nachhinein besonders gut an “Inception”. Das Spiel mit Realitäten im und um den Film beherrscht Nolan einfach irre gut. Technisch und handwerklich ist der Film ebenfalls einsame Spitze und so fügt sich jedes Teil gehorsam an seine Stelle und erschafft am Ende einen überaus gewitzten Film mit toller Action, richtig guten Schauspielern, schönen Bildern und einer Geschichte die mehr als nur eine Ebene besitzt. Dank der Vielschichtigkeit kann man sich elegant seine Versatzstücke herauspicken und den Film so genießen wie man ihn mag. Wer einfach die actionreiche Handlung genießen möchte, wird mit stilvollem Geballere belohnt (irregeil die “James Bond – Im Dienste ihrer Majestät” Anlehnung im letzten Level), wer gerne Filme über Einbrüche und Diebstähle sieht bekommt ebenfalls etwas geboten, genauso wie Leute mit Interesse an dezent gestreutem Misstrauen der Realität gegenüber. Mein Fazit fällt somit sehr positiv aus und sollte nichts Außergewöhnliches passieren, wird “Inception” wohl mein Film des Jahres werden.
Laufzeit: 148 Minuten
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Cast:
Leonardo DiCaprio (Cobb)
Joseph Gordon-Levitt (Arthur)
Ellen Page (Ariadne)
Tom Hardy (Eames)
Ken Watanabe (Saito)
Dileep Rao (Yusuf)
Cillian Murphy (Robert Fischer)
Tom Berenger (Peter Browning)
Marion Cotillard (Mal)
Michael Caine (Miles)
Links:
Offizielle Seite DE
Offizielle Seite EN
Inception Infographic von dehahs via deviantART
Inception – Trailer:
Inception – Trailer 2:
Inception – Trailer 3:
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