Lange mussten wir warten, bis wir Nicolas Winding Refns tolle Romanadaption auch im deutschen Kino sehen konnten. In den USA bereits im September letzten Jahres gestartet, ging die Geschichte um den “namenlosen” Stuntfahrer erst im Januar bei uns in den Kinos an den Start. Weshalb wir so gerne auf die Verfilmung des James Sallis Roman “Driver” gewartet haben ist relativ leicht zu erklären.
“Drive” ist die perfekte Symbiose von gutem Stil, einer Erzählweise ohne unnötige Schnörkel und einem tollen Schauspielerensemble.
Der Däne Nicolas Winding Refn schnappte sich für seine erste Hollywoodproduktion einen klassischen Neo Noir Stoff als Vorlage. Der Roman “Driver” von James Sallis erzählt wie ein namentlich nicht genannter Stuntfahrer in Hollywood nebenbei als Fahrer bei Überfallen und Einbrüchen jobbt und so mit der Mafia zu tun bekommt.
Die Sprache des Romans ist sehr schnörkellos und direkt gehalten, was sehr zur wortkargen Hauptfigur passt. Diese Wortkargheit und leichte Distanziertheit der Hauptfigur, welche ganz ordentlich von Ryan Gosling gespielt wird, ist für einen Film natürlich keine leichte Aufgabe, gut und interessant zu vermitteln. Refn erzeugt im ganzen Film über aber eine ganz seltsame Langsamkeit und Coolness – durch langsame Einstellungen und Slowmotion Kamerafahrten – so dass Goslings Spiel nicht mehr so ganz befremdlich wirkt. Einen großen Anteil an dieser Atmosphäre von Coolness und Stil hat der tolle Soundtrack aus der Feder von Cliff Martinez, sowie der vier oder fünf Tracks von Künstlern mit einem Mega 80er Touch. Wer beim rosa eingefärbten Schriftbild, welches in der Titelsequenz über ein nächtliches L.A. zu den Synthieklängen von Kavinsky gleitet, nicht schon diese melancholische Lässigkeit fühlt, wird dem Film wohl nicht viel abgewinnen können.
Sicher, für einen Film mit dem Namen “Drive” sind Autoszenen oder Verfolgungsjagden rar gesät. Dafür bieten die handvoll Actionszenen einen krassen Gegensatz zur sonst so coolen Atmosphäre des restlichen Films. Hier nutzt Refn das Potential der Vorlage gekonnt und zeigt die dunklere Seite seines Protagonisten, der sich abseits der wenigen aber dafür sehr brutalen Actionsequenzen doch mehr und mehr von seiner seichten Seite zeigt. So versteht sich der Titel mehr symbolisch und steht für den Antrieb – den Drive – der Figuren.
Neben dem vermeintlichen Hauptstrang um Drivers nächtliche Nebenjobs und eine Tasche voller Mafiageld spielt die zaghafte (Liebes)Beziehung zwischen ihm und seiner Nachbarin Irene eine große Rolle im Film. Sie steht im krassen Gegensatz zu Drivers bisherigem Verhaltensweisen und seinem Umgang.
Der Roman geht stellenweise tiefer auf die Bedeutung der Beziehung ein und schließt mehr Verständnislücken als es der Film schafft, doch fällt dies dank der Erzählweise und dem starken Fokus auf Stil und Atmosphäre weniger ins Gewicht als man glauben mag. Driver ist ein Archetypus, einer dieser stillen Rächer aus der guten alten Zeit Hollywoods, als Männer noch schweigsam und ehrlich waren und Liebe nicht dieser Fleischbeschau heutiger Tage war. Generell ist der Film ein sehr auf klassische Themen bezogener Streifen. Es geht um Männerbilder, Aufrichtigkeit und das Einstehen für eigene Taten sowie Liebe in einer sehr reinen und schönen Form.
Sicherlich kann man Nicolas Winding Refn vorhalten hier einen Film gedreht zu haben der Form über Inhalt stellt, doch das verkennt einfach die wirklichen Stärken von “Drive”. Atmosphäre, Farbe und Soundtrack sind natürlich großartig und stehen klar im Vordergrund, doch die zugrunde liegenden Themen und Muster sind sehr schön ausgearbeitet und in ihrer unaufdringlichen Präsentation viel wirkungsvoller – da nicht so plakativ und “vulgär” – und machen diese geniale Atmosphäre erst möglich. “Drive” ist daher für mich einer der besten Filme der letzten Zeit.
Laufzeit: 100 Minuten
Freigabe: ![]()
Cast:
Ryan Gosling (Driver)
Carey Mulligan (Irene)
Bryan Cranston (Shannon)
Albert Brooks (Bernie Rose)
Oscar Isaac (Standard)
Christina Hendricks (Blanche)
Ron Perlman (Nino)
Links:
Offizielle Seite (EN)
Drive – Trailer (Deutsch):
Drive – Official Trailer:

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