In der heutigen Zeit, wo am Computer animierte Filme die Kinos jährlich mit fünf oder mehr Filmen überfluten, sind aufwendige Stop Motion Filme vergangener Tage im Kino so gut wie ausgestorben. Ok, es gibt Tim Burton, der hin und wieder diesen klassischen Weg einschlägt, wenn er nicht gerade mal wieder Johnny Depp von allen Seiten zeigen muss. Nach dem letztjährigen Burton Film “Coraline” versucht nun Wes Anderson mit seiner Verfilmung des Roald Dahl Buchs “Der Fantastische Mr. Fox” den verstaubten Stop Motion Filmen für’s Kino neues Leben einzuhauchen. Dazu karrt er nicht nur Kenner ihres Fach in Sachen Stop Motion Animationen, Kostümanfertigung und dem Bau der Figuren und Kulissen zusammen, die schon für Burtons “Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche” aktiv waren, sondern auch Stars wie George Clooney, Meryl Streep, Bill Murray und Willem Dafoe. Ob dies ausreicht, um einen guten Stop Motion Film abzuliefern, der problemlos gegen die Computer animierten Filme ankommt erfahrt ihr nach dem Woo Weeo Klick Klick!
Inhalt:
Nach einem gescheiterten Raubzug auf einer Squab Farm, der in einem Käfig endet, offenbart Mrs. Felicity Fox ihrem Gatten Mr. Fox, dass sie schwanger ist und bittet ihn einen sichereren Job zu suchen. Zwei Jahre später leben sie zusammen mit ihrem Sohn Ash in einem Fuchsbau und fristen ihr Dasein im Falle von Mr. Fox als Zeitungskolumnist und Mrs. Fox widmet sich der Gewitter Landschaftsmalerei. Mr. Fox sucht eine neue Bleibe für seine Familie, da er sich arm in der aktuellen fühlt, und findet sie in einem Baum, von dessen Kauf sein Anwalt der Dachs Clive Badger aber abrät. Der Grund die Gegend ist zu gefährlich für die Füchse, aber genau dies zieht Mr. Fox sofort magisch an. Denn der Baum liegt sehr nah an den großen Höfen der drei Farmer Walter Boggis, Nathan Bunce und Franklin Bean. Trotz der Einwände zieht Familie Fox um und Mr. Fox schnappt sich seinen Hausmeister Kylie Sven Opossum, um seinen großen Meisterplan in die Tat umzusetzen. Währenddessen bekommen die Füchse Besuch von Felicitys Neffen Kristofferson Silverfox, der in allen Belangen mit reichlich Talent beschenkt worden zu sein scheint. Durch seinen Besuch stellt Sohnemann Ash fest, dass er im Vergleich ein wahrer Freak ist und versucht von da an diesem Dasein ein Ende zu setzen. Mr. Fox Plan alle drei Farmer zu beklauen geht auf und so sind die Füchse an sich für lange Zeit versorgt. Den drei grimmigen Farmern gefällt diese Tatsache überhaupt nicht und so entschließen sie sich den unbekannten Dieb zu finden. Die Fährte führt zum Baum der Familie Fox und noch bevor sich Mr. Fox retten kann verliert er durch einen gezielten Schuss seinen Schwanz, den Franklin Bean von da an um seinen Hals tragen wird. Das Versteck der Füchse wurde somit gefunden und so werden von Schaufeln über Bagger bis zu Dynamit alles angekarrt bis sie den Rest von Mr. Fox in den Händen halten. Von da an sind nicht nur die Füchse auf der Flucht, sondern auch alle anderen Tiere in der Umgebung. Mr. Fox schwört Rache für seinen verlorenen Schwanz, sein verlorenes Heim und die missliche Lage aller Tiere um ihn und setzt mit ihnen zum nächsten großen Sprung gegen die Farmer an.
Fazit:
Durch die vielen Animationsfilme wie “Wall-E”, “Ratatouille”, “Cars”, “Monsters vs. Aliens”, “Kung Fu Panda”, “Happy Feet” und die kaum in Erinnerung bleibenden “Shrek” Filme war ich schon genervt zu hören, dass mit “Oben”, “Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen” und “Der Fantastische Mr. Fox” wieder eine Ladung animierter 0815 Filme über uns hereinfällt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber nicht, dass letzterer ein Stop Motion Film der klassischen Art ist und so gar nichts mit den computergenerierten 3D Klötzen zu tun hat, die Kinder und volljährige Kleingeister über die letzten eineinhalb Jahrzehnte so in Begeisterung versetzten. Für mich haben sich trotz des interessanten Anfangs von “Oben” am Computer animierte Kinofilme zu Tode geritten. Als diese noch in geringer Stückzahl in die Kinos kamen hatten diese noch frischen Wind in den Segeln und weckten mein Interesse, aber jetzt geht es fast durchweg nur noch wie in der Spieleindustrie um den “realen” Look der Filme.
Zurück zu “Der Fantastische Mr. Fox”. Durch meine Vorbereitung auf die Oscars 2010 fiel mir der Film erst auf und weckte mein Interesse, bevor er einige Monate später mich im Sturm erobern sollte. Diesem Film sieht man, dass dort viel Liebe zum Detail steckt und echte harte Handarbeit. Alles wurde von Hand auf gebaut, geschneidert, behaart und bewegt und nicht am Rechner mit wenigen Clicks erstellt. Versteht mich nicht falsch. Ich weiß in “Oben”, “Shrek” und Co steckt auch viel Arbeit drin, aber im Vergleich war der Aufwand für “Der Fantastische Mr. Fox” immens. Gefällt dir die Kulisse oder die Nase der Figur nicht, dann änderst du sie halt schnell um. Eine neue Tür und Textur dahin, den Baum weg und die Nase kleiner gezogen, aber hier baut man je nachdem das Gesicht oder die ganze Figur per Hand komplett neu. Selbiges gilt auch für die Kulissen und Kostüme. Somit hat der Film schon seinen ganz eigenen Charme, denn die Bewegungen sind Stop Motion typisch ein wenig unrund, aber dafür wirkt das Gesamtpaket realer, greifbarer und nicht zu glatt und perfekt. Genau das trifft auch den Look des Films. Für die Kulisse haben sich die Macher sehr an Great Missenden im Süd-Osten Englands orientiert, wo Roald Dahl zu Lebzeiten beheimatet war. Was die Figuren angeht darf man sich freuen nicht mit dem geleckt comicartigen Süßigkeitenlook von Tim Burtons Werken konfrontiert zu werden. Zwar arbeitete ein Teil des Teams genau an diesen, aber zwischen Burtons und Andersons Werken liegen Welten. Vor allem die grimmigen Menschen wirken hier um ein Vielfaches realer und stellenweise je nach Einstellung und Belichtung wie echte Menschen. Die Tiere hingegen wirken von der ersten Minute an durch ihr Aussehen samt Kleidung, ihrer menschlichen Art und ihrer Mimik und Gestik sehr sympathisch. Ihr Fell bewegt sich mit jeder Bewegung und weht gemeinsam mit dem Wind. Auch die Effekte wurden mit viel Liebe zum Detail und simplen Mitteln umgesetzt. So sieht man aufgewickelte Frischhaltefolie an einer Rolle als Wasserfall ständig ihre Runden drehen oder Wolken und Rauchschwaden aus ganz einfacher Watte. Damit die Bewegungen der einzelnen Figuren nicht zu künstlich wirken hat sich Wes Anderson selber vor die Kamera gestellt und sämtliche Szenen vorgespielt, um den Animatoren eine Vorlage zu bieten an der sie die Bewegungsabläufe der Figuren animieren konnten.
In Sachen Sound sind die Macher einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen und haben diese samt der Synchronisation des Casts in den dazu passenden Locations aufgenommen. So springt, rennt und rollt sich George Clooney im freien ab, wie es auch Mr. Fox im Film macht, um die Soundkulisse so akkurat wie nur möglich zu gestalten. Streiten sich Mr. Fox und Clive Badge so gingen Clooney und Murray in einen kleinen Raum, um diese Szene zu spielen. Wenn mehr Hall vorhanden sein sollte so versammelten sich die Schauspieler in einem Pferdeanhänger. Das fällt nicht unbedingt im Film auf, aber wenn man dies weiß achtet man umso genauer drauf beim zweiten Sehen. Jetzt erzähle ich die ganze Zeit wie der Film gemacht wurde ohne wirklich ein Fazit zu ziehen. Bitte verzeiht mir, aber ich bin echt überrascht, verblüfft und fasziniert von diesem Film und wie er gemacht wurde.
Ihr merkt mir hat der Film sehr gefallen. Allein der Look ist ein Grund sich diesen Film anzusehen, denn dieser bietet nach Jahren Abwechslung mit seinem besonderen Stop Motion Charme längst vergangener Tage. Auch die facettenreiche Geschichte des Films hat es mir angetan, aus der man viel mehr als nur den Zusammenhalt zwischen Tieren ziehen kann. So erzählt die Geschichte auf der einen Seite vom Erwachsenwerden und den damit aufkommenden Verpflichtungen und Verantwortungen und auf der anderen die Ängste davor. Dazu kommt noch, dass jedes Tier sein von der Natur gegebenes Talent nicht vergessen und seine natürlichen Triebe nicht unterdrücken sollte. Sowie, dass jeder so komisch und anders er auch ist was besonderes in sich trägt für das er früher oder später anerkannt wird. Das Ganze wird in einer unterhaltsamen und sehr lustigen Handlung verpackt, die nicht nur in erster Linie Kinder unterhält, sondern die ganze Familie, sofern die Älteren sich solche Filme überhaupt angucken. Ich glaube, da draußen gibt es genug Eltern, die sich für einen kleinen Moment dem inneren Kind in ihnen freien Lauf lassen. Was die Sprecher angeht liefern alle Stars von George Clooney, Meryl Streep, Bill Murray, Jason Schwartzman über Wallace Wolodarsky, Eric Chase Anderson, Michael Gambon bis zu Willem Dafoe einen sehr guten Job, der jeder Figur ihren gewissen Charme und Authenzität gibt. Selbst Owen Wilsons Kurzauftritt als Coach Skip oder Adrien Brodys One-Liner als Rickity passen gut und schön ins komplette Bild des Films. In Sachen Soundtrack muss ich auch wieder meinen Daumen nach oben zeigen, denn dieser bietet einen Mix aus zum Teil kindlichen und zum Teil Western artigen Melodien und Hymnen und Ohrwürmern von den The Bobby Fuller Four, The Rolling Stones, The Beach Boys, The Wellingtons oder Burl Ives. Als kleine Besonderheit hat sich auch Pulp Sänger Jarvis Cocker, der Petey im Film spricht, auf dem Soundtrack mit einem Folk Song, der zum Mitsingen und Mitstampfen animiert, verewigt. Das Gesamtpaket mit dem Namen “Der Fantastische Mr. Fox” kann ich wirklich jedem empfehlen, der immer noch das innere Kind in sich trägt und sich nicht zu stolz ist dieses für 87 Minuten freien Lauf zu lassen. Auch alle die sich für Stop Motion Filme interessieren oder gerade Luft von der Ausschussware aus dem Computer brauchen kann ich diesen Film wärmstens empfehlen. Es steckt echt viel Liebe zum Detail in diesem Film und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Das brachte dem Film auch mehrere Nominierungen als Best Animated Feature (3 Mal) und Best Original Score (1 Mal) bei den Oscars, Critics Choice Awards und Golden Globes ein. Leider musste sich der 40 Millionen Dollar teure Film, der bis dato um die 46 Millionen Dollar einspielte, in allen Fällen gegen “Oben” geschlagen geben, was “Oben” aber noch lange nicht zum besseren Film macht. Ich hoffe und wünsche mir, dass noch mehr Filme dieser Art und Weise entstehen und ins Kino kommen, sofern es sich auf eine kleine Anzahl pro Jahr(e) hält, und man ihnen die verdiente Anerkennung für die Arbeit dahinter zukommen lässt und sie auch würdigt. Dieser Film hat es nach meiner Meinung wirklich verdient.
Laufzeit: 87 Minuten
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Cast:
George Clooney (Mr. Fox)
Meryl Streep (Mrs. Felicity Fox)
Jason Schwartzman (Ash Fox)
Bill Murray (Clive Badger)
Wallace Wolodarsky (Kylie Sven Opossum)
Eric Chase Anderson (Kristofferson Silverfox)
Michael Gambon (Franklin Bean)
Robin Hurlstone (Walter Boggis)
Hugo Guinness (Nathan Bunce)
Willem Dafoe (Rat)
Owen Wilson (Coach Skip)
Adrien Brody (Rickity the Field Mouse)
Jarvis Cocker (Petey)
Links:
Offizielle Seite
Videos zum Making Of des Films
Fantastic Mr. Fox – Trailer:
Fantastic Mr. Fox – Trailer #2:
Fantastic Mr. Fox: The Bobby Fuller Four – Let Her Dance:
Der fantastische Mr. Fox – German Trailer:
Fantastic Mr. Fox – Foxy Voices:
Fantastic Mr. Fox – Foxy Music:
Fantastic Mr. Fox – Laying The Groundwork:
Fantastic Mr. Fox – Whackbat:
Fantastic Mr. Fox – In the puppet shop with Wes & Bill:
Fantastic Mr. Fox – Official Featurette:
Fantastic Mr. Fox – The World Of Roald Dahl:
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