Termingerecht vor dem Erscheinen der Filmumsetzung von Warren Ellis’ 3-teiliger Comicreihe, werfe ich einen Blick auf das Originalmaterial und wage eine Aussicht auf den starbesetzten Film. Wer sich für Bourne, Bruce Willis und jede Menge Ellis’schen Humor begeistern kann, sollte weiterklicken und lesen ob er sich schon jetzt die Comicvorlage zulegen sollte oder doch bis zum Kinostart warten sollte.
Titel: RED
Autor: Warren Ellis
Zeichner: Cully Hamner
Publisher: Panini Comics (WildStorm)
Format: Softcover, 84 Seiten
Story:
Paul Moses lebt zurückgezogen und verbringt seine Rente damit, den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden. Einzig die Telefonate mit seiner Rentenbetreuerin bei der CIA holen ihn aus seiner selbstverordneten Isolation heraus. Nach etwa 40 blutigen Jahren im Dienst der Central Intelligence Agency voller Mord und Terror, sucht Moses eigentlich nur Zeit um mit seinen Taten zu leben und zu sterben. Doch der neu ernannte CIA Direktor Michael Beesley wird kurz nach seinem Amtsantritt in den “Raum R” gebracht, wo er von der Existenz Moses erfährt und schockiert ist von seinen Taten im Dienste dieses Landes. Kurzerhand beschließt er Moses umbringen zu lassen, damit nie jemand von seinen Taten erfährt. Moses muss sich also in seinem Alterssitz eines CIA Killerkommandos erwehren und sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass die CIA ihr Versprechen, ihn in Frieden altern zu lassen, gebrochen hat. Erschrocken müssen die Anzüge in Langley feststellen, dass sie damit den wohl gefährlichsten Killer aus ihrem Hause reaktiviert und so eben auf sich selbst angesetzt haben.
Fazit:
Auf 84 knackigen Seiten erzählt Warren Ellis mit der tollen Hilfe von Cully Hammer eine bitterböse Geschichte über Mord, Männlichkeit und politisches Fähnchendrehen. Die Kampfszenen sind äußerst brutal und wenn Moses erstmal loslegt auf seiner Rachemission sterben Menschen reihenweise und sehr handfest. Gewalt ist hier zwar auch irgendwie cool und Stilmmittel – wie sie in einem coolen Actionfilm halt auch dargestellt wird – doch vermittelt sie auch immer die kalte, professionelle Seite von Paul Moses, welcher seit seinem 19. Lebensjahr für sein Land getötet hat. Er empfindet keinen Stolz deswegen oder sieht in sich einen besonderen Patrioten, sondern nur einen guten Soldaten. Morde an Frauen, Männern, ganzen Familien und die Vermittlung von Terror waren sein Job – und er beherrschte ihn gut. Zwar hat ihn seine Arbeit kalt gemacht, doch hat er stets die Erinnerung an seine Taten und muss mit ihnen Leben. Hier setzt dann auch Warren Ellis den Haken an und macht aus einer typischen Punisher trifft Jason Bourne Nummer mehr als nur blutige Gags. Auf der einen Seite steht Moses der zu seinen Taten steht und versucht nun mit den Erinnerungen zu leben, während die politischen Fähnchendreher und Schreibtischtäter auf der anderen Seite sitzen. Der neu, vom Präsidenten der USA ernannte Chef der CIA ist ein kurzsichtiger – weil politisch-medial denkender – Berufspolitiker der versucht den harten Entscheidungsträger zu geben obwohl er keine 5 Sekunden für seine Befehle, gar Aktionen einstehen mag und kann. Neben dem Einstehen für seine Aktionen und dem Leben mit den Konsequenzen greift Ellis in dem Zusammenhang auch den Begriff des Monsters auf und versucht eine Abgrenzung zu finden zwischen einem Killer wie Moses und dem Monster Paul Moses, interessant.
Das Artwork von Cully Hamner sitzt perfekt bei “RED”. Moses ist kantig und alt, Beesley ist rund und weichlich und die Gewalt ist handfest und blutig. Es spritzt Gehirnmasse und Innereien und Autos und Gebäude gehen in Flammen auf. Alles wird von Hamner klar aber doch immer auch mit etwas stilistischem Touch rübergebracht. Das Farbspektrum des gesamten Bandes bewegt sich im Bereich von rot, grün und schwarz und gibt dank der starken Präsenz dieser drei dem Comic einen sehr filmhaften Look.
Da wären wir auch schon bei der anstehenden Verfilmung angelangt. Diese Woche startet “RED” in den amerikanischen Kinos und etwa zwei Wochen später dann auch bei uns endlich. Wer bereits die Trailer gesehen hat wird sich nun nach der Lektüre meiner kurzen Review wundern, dass ich außer Paul Moses kaum einen Charakter erwähnt habe, wo man doch im Trailer gut sehen kann wie mit John Malkovich, Helen Mirren und Morgan Freeman anscheinend noch weitere wichtige Charakter auftauchen. Falsch gedacht. Warren Ellis bestätigte selber, dass der Film die Grundidee des Comics aufgreift und viel Neues drumherum bastelt. Schließlich sind die 84 Seiten schnell gelesen und würden nur sehr bedingt im Medium Film funktionieren. Außerdem wollten die Produzenten einen etwas freundlicheren Grundton für ihren Film haben, als es die Vorlage eigentlich hergibt. Ellis selber ist zufrieden mit den Änderungen und wies seine Fans daraufhin, dass man die Vorlage einfach als Basis für eine Filmadapation sehen muss und nicht als sklavische Vorlage für einen dunklen, blutigen 30 Minuten Thriller. Mit dieser Einstellung könnte man dann auch viel Spaß haben – auch meine Meinung. Und wer möchte nicht Helen f*ing Mirren mit einem Scharfschützengewehr sehen?
Interessante Notiz am Rande: Als Regisseur hat Summit Entertainment Robert Schwentke verpflichtet, der nun nach “Flightplan” und “The Time Traveler’s Wife” schon seinen dritten ordentlichen Ami-Streifen abdreht. Schwentkes “Tattoo” gefiel mir stellenweise sehr gut und “Flightplan” war zuminest technisch gelungen. Indizien für eine echte Hollywoodkarriere des Deutschen? Man wird sehen, spätestens ab dem 28. Oktober, wenn “RED” auch in Deutschland die Kinosäle erleuchtet.



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