Long John Silver (Podcast: Comic-Review)

“Von Silver haben wir nie wieder gehört. Dieser hünenhafte einbeinige Seemann ist endlich aus meinem Leben verschwunden.” Mit diesen Worten beginnt das einleitende Vorwort für den ersten Band dieser wunderbaren neuen Comicreihe. Nach dem hier nicht ganz vollständig angegebenen Zitat von Robert Louis Stevenson setzt der Autor Xavier Dorison auch selber gleich noch ein „warnendes“ Geleitwort dazu, und will das vorliegende Comic nicht als Fortführung der „Schatzinsel“ verstanden wissen, sondern sieht in seinem Werk eine Hommage an eines seiner liebsten Bücher. Ob dem wirklich so ist und wie gut es denn nun geworden ist, erfahrt ihr nach dem Klick.


Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus der 30. Folge des Babbel-Net Podcast!

Titel: Long John Silver #1: Lady Vivian Hastings / Long John Silver #2: Neptune
Autor: Xavier Dorison
Zeichner: Mathieu Lauffray
Publisher: Carlsen Comics (Dargaud)
Format: Softcover (22 x 29,5 cm), 64 / 56 Seiten
Status: laufend

Story:
1785, in den Gestaden des Amazonas findet der englische Lord Hastings nach einer langen und entbehrungsreichen Expedition die sagenumwobene Stadt Guyanacapac, die ähnliche Schätze bereithalten soll wie das geheimnisvolle El Dorado. Er beauftragt seinen Bruder damit sein ganzes Vermögen zu Hause aufzulösen um eine weitere Expedition nachzuschicken und damit das angebliche Vermögen dort abzuholen. Hastings noch-Ehefrau, hat sie doch geglaubt ihr Mann sei tot oder verschollen und umgarnte bereits andere alte reiche Männer um ihren Lebenswandel zu finanzieren, findet die Auflösung ihres Restvermögens alles andere als schön und wendet sich dank ihres Arztes Doktor Livesey an den berüchtigten Piraten Silver. Dieser hat sich nach den Geschehnissen um die „Schatzinsel“ zur Ruhe gesetzt und betreibt sein eigenes Lokal in Bristol.
Entgegen der Warnungen des guten Doktors heuert sie Long John Silver und eine Hand voll seiner Männer an, sie verdeckt auf das Schiff ihres Schwagers zu begleiten und so einen Teil des sagenhaften Schatzes einzusacken.

Fazit:
Wie eingangs erwähnt versteht sich das Comic mehr als Hommage denn als Fortführung der Geschichte und Figuren aus „Die Schatzinsel“. Mir ist das Comic in seinem für Carlsen typischen 22 x 29,5 Format zunächst wegen seinem tollem Coverartwork aufgefallen. Den Umschlag des ersten Bandes ziert ein in Fuhrmannsmantel und Dreispitz gehüllte Gestalt, welche mit dem Rücken zum Leser im Regen steht. Dies machte mich direkt neugierig und veranlasste mich schließlich zum Kauf der ersten beiden Bände. Eine Investition die ich bisher nicht bereut habe. So bietet das Comic um den berühmten Piraten Long John Silver nicht nur eine spannende Geschichte um ferne Goldschätze, Intrigen und einen wunderbaren Seefahrerflair, sondern auch tolle Zeichnungen. Mathieu Lauffray, der hierbei den Pinsel führte, schwankt interessanterweise sehr stark was seine Darstellung angeht zwischen sehr grob skizzierten und sehr feinen Zeichnungen, die alle diese abenteuerlich-romantische Stimmung des 18. Jahrhunderts atmen. Oft sind die Räume nur durch Kerzen erhellt und Lauffray gibt dies sehr schön an den Leser weiter, in dem er viel mit Schatten arbeitet oder Lichtquellen unterschiedlich stark in ihrer Intensität präsentiert. Diese Schatten, die überall und nirgends auftreten und das regnerische Wetter zu Beginn verstärken natürlich gelungen die dunkle und intrigenreiche Atmosphäre der ersten Hälfte. Positiv fand ich die erst sehr späte Einführung der Titelgebenden Figur des alten Piraten Silver. Sein Auftritt wirkt nicht nur wegen dem tollen Artwork in dieser Szene so eindrucksvoll, sondern auch weil man natürlich die ganze Zeit schon seinen Auftritt erwartet.

Ich kann die beiden bisher auf Deutsch erschienenen Bände nur empfehlen, wenn man sich für diese leicht romantische Abenteuergeschichte aus dem 18. Jahrhundert begeistern kann. Der Punkt an dem sich sicher die Geister scheiden sind die Zeichnungen, die auf Grund ihres Skizzencharakters nicht jedem Leser gefallen werden. Mir persönlich haben sie sehr zugesagt und die Stimmung der Geschichte gut eingefangen.

Beim Carlsen Verlag gibt es eine kleine Leseprobe, die vielleicht etwas besser den Stil des Comics vermitteln kann als die von uns stets aufgezeigten Bilder.

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Ein Kommentar zu “Long John Silver (Podcast: Comic-Review)”

  1. Ich liebe Long John Silver, richtig geiler Comic!

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