Wir Comicfans nehmen es ja meist als gegeben hin, wenn Figuren in Comics mit übermenschlichen Kräften ausgestattet werden und sich gegen Legionen von Bösewichten stellen, ohne auch nur den winzigsten Zweifel an der eigenen Moral bzw. dem eigenen Handeln zu entwickeln. Mark Waid greift genau dieses Thema in “Irredeemable” auf.
Titel: Irredeemable
Autor: Mark Waid
Zeichner: Peter Krause
Publisher: Boom! Studios
Erscheint seit: April 2009
Bis Dato erschienen: 4 Ausgaben
Story:
Der Plutonier, ein supermangleicher Held mit unvergleichlichen Kräften und dem steten Willen das Gute zu tun, wandert auf die dunkle Seite der Macht ab. Seine alten Weggefährten tötet er Stück für Stück, und das nicht zu zimperlich. Ganze Städte und Regionen sind nicht sicher vor ihm, wenn er seine geballte Macht entfesselt.
Eine kleine Gruppe von Helden aus gemeinsamen Tagen mit dem Plutonier versucht herauszufinden was mit dem einst so guten Streiter für die Gerechtigkeit geschehen ist und wie man ihn aufhalten kann. Die Helden gehen Erlebnisse der Vergangenheit durch und sehen winzige Hinweise für kleinste Verhaltensveränderungen des Plutoniers, doch keinen Auslöser für dessen plötzlichen Sinneswandel.
Fazit:
Ich bin eher zufällig auf diese neue Serie von Boom! Studios gestoßen, doch mittlerweile kann ich das nächste Heft kaum abwarten. Mark Waid zeigt an diesem fiktiven Superman, was passiert wenn Helden die Seite wechseln. Gut, das gab es schon häufiger, doch Waid bringt eine ganz neue Seite am Heldenbild zum Vorschein, die so bisher noch nie gezeigt wurde. Superman, Batman, Spider-Man, all diese Helden werden als so moralisch gefestigt dargestellt, dass Kritik oder Häme der Menschen die sie retten, ihnen anscheinend nichts ausmachen. Waid überspitzt dieses Bild des Superhelden, der nicht auf das hört was die Leute über ihn reden bis zu dem Punkt, an dem der Plutonier nicht interessiert ist was andere Leute überhaupt denken und sich dank seiner Überlegenheit auch nicht darum schert. Mit grenzenloser Macht, kommt grenzenlose Korruption und Habgier – um das berühmte Zitat mal im Sinne von “Irredeemable” zu verdrehen.
Waid geht im ersten Band direkt in die Vollen, als er den Plutonier die Familie eines ehemaligen Mitstreiters töten lässt um dann einen Sprung zurück in scheinbar noch heile Welt von damals zu machen. In diesen Rückblicken, die meist mit einem anderen Mitstreiter von damals und heutigen Widerständler verbunden sind, sehen wir ausgewählte Momente aus der Heldenkarriere des Plutoniers und können, wenn wir sehr aufmerksam sind, die ersten kleinen Risse in dessen Weltbild ausmachen. Hier zeigt welche Klasse Waid besitzt, wenn er ganz beiläufig die ersten Anzeichen für den Sinneswandel andeutet und dabei den Hintergrund der Nebenfiguren einführt.
Grafisch ist „Irredeemable“ sicherlich kein Fest für Comicfans, dafür sind die Zeichnungen von Peter Krause in meinen Augen einfach zu schwach. Viele Figuren wirken zu eindimensional und ohne Tiefe und zu sehr an bereits existierende Charaktere angelehnt. So wirken die Widerständler wie eine dürftige Kopie von Warren Ellis´ “Authority” und der Plutonier selber eher wie Mister Majestic und weniger wie Superman. Hingegen sind die Variantcover diverser Künstler, aber auch die Cover von Krause selber, sehr gelungen.
Den geneigten Käufer erwartet also ein Comic, bei dem die Form, dem Inhalt in keinster Weise genügt und das Wasser reichen kann. Wem “Kingdom Come” von Mark Waid gefallen hat und wem diverse „frühe“ Wildstorm-Titel gefallen (The Authority, Wildcats V3, Stormwatch), dem kann ich “Irredeemable” nur empfehlen.



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Hörtmal, könnt ihr bitte aufhören soviel über Comics zu schreiben? Sonst verschwenden ich wie früher wieder Vermögen in Papier, was dann wiederum meine Regale verstopft