Ghost Stories (Podcast: Comic-Review)

GhostStoriesJeff Lemires kleines Meisterwerk, über zwei Brüder im Kanada der 50er und ihren Traum Eishockey zu spielen. Lest hier, wie Eishockey das Leben prägen kann.





Dies hier ist die verschriftlichte Version unserer Review aus der 2. Folge des Babbel-Net Podcast!

Titel: Ghost Stories (Essex County Volume 2)
Autor: Jeff Lemire
Zeichner: Jeff Lemire
Publisher: Top Shelf Productions
Format: 225 Seiten (Softcover)
Status: September 2007 veröffentlicht

Story:
Die Geschichte handelt von Lou und Vince Lebeuf. Die beiden ungleichen Brüder leben in den 50ern in Essex County, Ontario, Kanada und träumen davon einmal professionell Eishockey zu spielen. Lou, der ältere der beiden Brüder, ist nach Toronto gezogen und spielt dort in einem zweitklassigen Team in der dritten Reihe. Sein Bruder Vince kommt einige Zeit später mit seiner Freundin nach und wird der neue Starspieler. Ein tragischer Unfall auf der Farm ihrer Eltern bringt Vince dazu, wieder nach Hause zu gehen und sich um die Farm und seine Mutter zu kümmern. Lou bleibt alleine in der großen Stadt zurück, bis auch er zurück auf die Farm gehen muss. Die Geschichte wird aus der Sicht von Lou erzählt, der zu Beginn der Geschichte ein alter, schwerhöriger Greis ist. Er kehrt in Gedanken immer wieder an die Orte seines Lebens zurück und erinnert sich an die Entscheidungen die er damals traf. Lou lebt immer mehr in der Vergangenheit und muss in einem Heim leben wo man ihn betreut.

Fazit:
Es ist schon ein kleines Meisterwerk, das Jeff Lemire hier abgeliefert hat. Ohne Probleme erzählt er eine Geschichte, die sich über fast 60 Jahre erstreckt. Die einfachen und recht „offenen“ schwaz-weiss Zeichnungen bieten Platz für eigene Bilder und sind dennoch sehr konkret. Lemire’s Figuren sind fast ausnahmslos nicht wirklich attraktiv, aber lebendig und wirken sehr „echt“. Sie sind gezeichnet vom Leben oder ihrer Einstellung zu ihrem Leben. Insgesamt bietet die Geschichte viele Punkte an denen man selber Interpretation einsetzen kann. Einziger Kritikpunkt für mich, ist das etwas klischeehafte Ende, wo doch ein, zwei Klischees zu viel eingesetzt werden und so die Geschichte unglaubwürdiger werden lassen, als sie eigentlich ist. Denn das ist Jeff Lemire wirklich gut gelungen, seine Geschichte glaubhaft in der Realität zu verankern und trotzdem eine gewisse Verklärung der „guten alten Zeit“ mit einzubauen. Abschließend kann ich diesen Band jedem empfehlen, der gerne mal eine Geschichte abseits der üblichen „Helden“ lesen mag. Es ist eine Geschichte von Menschen, die Entscheidungen treffen und mit diesen dann leben müssen.

Anmerkung:
Ghost Stories ist der zweite Band einer lose miteinander verbunden Reihe um die Region Essex County in Ontario Kanada. Jeden Band kann man ohne Probleme alleine lesen, doch gerade im Zusammenspiel mit den anderen beiden Büchern, ergibt sich ein wunderbares Panorama dieser Region und ihrer Menschen.

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